HERAUSRAGEND! UMWERFEND! BAHNBRECHEND! GEFEIERT!

„Er ist nicht nur in Deutschland einer der gefeiertsten Solisten seiner Generation, er genießt auch international bestes Ansehen. Schon in jungen Jahren gelang ihm eine beeindruckende Karriere: Bereits mit 12 Jahren hatte er sich einen Namen erarbeitet und legte damit den Grundsatz zu einer steilen Karriere.“ Kommt Dir bekannt vor? Kein Wunder! Kaum ein Kulturpressetext, der nicht mindestens so ähnlich klingt.

spannende Musik!

HERAUSRAGEND! UMWERFEND! BAHNBRECHEND! GEFEIERT! Beim Lesen von Kultur-Pressetexten erwartet man mittlerweile schon fast, dass in Caps Lock geschrieben wird – es wäre nur konsequent, denn die Steigerung der Steigerungsformen ist die letzte Möglichkeit, Superlative ultimativ zu superlativieren. Fröhlich wird vor sich hingefloskelt, bis, zwischen Namedropping von Dirigenten und Orchestern und der Aufzählung zahlloser Einspielungen, am Ende ein Text steht, der persönlich wirken soll, in seiner floskelhaftigkeit allerdings völlig austauschbar ist.

Keine Ankündigung kommt mehr ohne sie aus, ein Solist wird schon fast als minderwertig angesehen, sollte er nicht internationales Renommee genießen (so viele renommierte Künstler kann sich kein Mensch merken!), nicht mindestens Preise in drei unterschiedlichen Ländern gewonnen haben (völlig Wurscht, wie unbedeutend der Preis ist…)  und zudem, natürlich, zu den bedeutendsten Talenten seiner oder ihrer Generation angehören. Ja, welcher Generation denn sonst? Und wovon sind Ausnahmemusiker eigentlich die Ausnahme? Das verbale Aufrüsten hat auch vor der Kulturszene nicht Halt gemacht und die Kluft zwischen denen, die sich repräsentieren wollen (und können) und denen, die allein ihr Können in den Vordergrund stellen, wird immer größer.

In den letzten Tagen ist mir das vermehrt aufgefallen, vor allem durch Negativbeispiele, und somit habe ich auf Twitter eine kleine  Umfrage gestartet: Was sind eure liebsten #Kulturfloskeln, liebe Leser (und Twitterfollower)?  Es fanden sich schnell besonders beliebt-gehasste Floskeln, von denen ein paar an dieser Stelle erwähnt seien.

des Jahres

Kategorie: Die Presse

Pah, des Jahres… des Jahrzehnts! Ach, was sag ich – des Jahrhunderts! Mindestens!

Schon daher sind Redaktionsräume im Bereich Feullieton häufig als Gummizellen gestaltet.

Da blitzt der Schalk aus allen Zeilen!

Tu’s halt!

“Interessant”.

vielversprechend

Kategorie: Stars von Morgen

Spring!

“Interessant”. “Vielversprechend”. Liest solche Sätze überhaupt noch jemand oder rutschen die gleich automatisch in den Redundanzbereich des Gehirns?

 

Freidenker

Kategorie: Auf dem Gipfel der Karriere

… genau in der Reihenfolge.

“Ausgezeichnet mit dem internationalen Max Mustermann-Preis für die häufigste Einreichung einer Bewerbung zum Probespiel im gesamteuropäischen Raum.”

Ich bin, ebenso wie die Kommentarspalte, stets offen für weitere Vorschläge. Was sind eure Lieblingsfloskeln im Kulturbereich? Welche Texte verursachen bei euch das sanfte Gefühl der Sprachbesoffenheit? Habt ihr Paradebeispiele?


PS: Die Quellen der oben gezeigten Bilder:Bild 1: Entworfen durch Freepik, Bild 2: Entworfen durch Freepik, Bild 3: Entworfen durch Freepik, Bild 4: Entworfen durch Freepik

 

 

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6 Gedanken zu “HERAUSRAGEND! UMWERFEND! BAHNBRECHEND! GEFEIERT!

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