Betr.: Darstellung

Liebe Künstler!

Ich weiß, ihr hattet eine schwere Kindheit. Das ging schon zeitig los: Während die anderen Kinder draußen gespielt oder cool Konsole gezockt haben, durftet ihr euch, manchmal eher muttiviert als motiviert, mit eurem Instrument vergnügen und Tonleitern, Etüden und Konzertstücke draufdrücken. Als andere entspannt ihre Wochenenden genossen, seid ihr in die Pampa nach sonstwo gefahren und habt früh, 9 Uhr, schon angefangen, für irgendeine Regionalrunde irgendeines Wettbewerbes mit dem Einspielen loszulegen. Die coolen Jungs waren im Sportverein, die anderen im Musikverein. Die Helden der Schule sind Skateboard gefahren, ihr höchstens mit dem Instrumentenkoffer auf dem Rad in die Musikschule. Vielleicht hattet ihr Glück und konntet wenigstens noch cool genug Klavier oder Gitarre spielen, um dazu zu singen und so ein bisschen Eindruck auf die Mädels zu schinden.

Noten
Noch’n Bierchen? Da kann’s schon mal unscharf werden…

Später ging’s ja damit weiter: Die anderen aus eurem Abiturjahrgang haben sich entspannt per Post irgendwo beworben und eingeschrieben, ihr seid durch die halbe Republik getourt, um vor mehr oder weniger motivierten Professoren unter Unterdrückung eventueller Auftrittsängste eure Vorspiele zu absolvieren; in der Hoffnung die Tagesform reicht aus, damit ihr euch gegen eure mindestens ebenbürtigen Mitbewerber durchzusetzen.

Nachdem ihr es dann geschafft habt, habt ihr Jahre in stickigen Probenzimmerchen verbracht. Mickrige Übezellen, in die vielleicht grad mal ein Klavier, ihr selber und euer Instrument gepasst haben, waren euch vertrauter als die eigentlichen vier Wände. Ihr habt auf Sofas, die bereits Schweiß und Tränen unzähliger vorangegangener Generationen aufgenommen haben (und das eine oder andere verkippte Bier), genächtigt; habt euch mit euren Kommilitonen um die Überäume geprügelt und die eine oder andere in euren Augen sinnlose/komische/bescheuerte/schikanierende Übung eurer Professoren verdammt. Ihr habt euch dauernd mit anderen messen müssen und zusätzlich hing euch vermutlich nach der ersten Stunde bereits Musiktheorie ebenso zum Halse raus wie Musikgeschichte und der ganze andere theoretische Kram, den ihr zwangsweise belegen musstet. Und wer hat eigentlich Nebenfächer erfunden?

Dennoch habt ihr euch durch’s Studium gezwungen. Weil ihr euer Instrument liebt (meistens zumindest) und es auch immer wieder schöne Moment gab. Ihr habt euch nicht von der katastrophalen Stellenlage auf dem Musikermarkt abschrecken lassen oder von zahllosen Nachrichten über Kürzungen in der Kulturbranche: Ihr hattet ein Ziel! Ihr wolltet in ein Orchester, oder noch besser: vor ein Orchester, um solistisch zu brillieren.

Liebe Künstler, liebe Musiker: Ich mag euch. Viele von euch spielen toll. Die Meisten sicherlich. Aber warum in aller Welt hat euch in der ganzen Zeit niemand beigebracht, dass ihr BITTE eine ordentliche Außenwirkung aufbauen müsst? Vermarktet euch, auch wenn ihr darauf eigentlich keinen Bock habt! Repräsentiert euer Können durch professionelle Bilder und eine ansprechende Webseite! Niemand bucht euch, wenn euer aktuellstes Bild von 2009 ist, am Besten noch mit einer Mini-Digicam vom Lebenspartner irgendwo geknipst. Niemand will euch so ablichten, also wird euch auch niemand buchen. Ihr müsst euch ja nicht von einer Agentur vertreten lassen; gute Fotos müssen nicht teuer sein, eine ordentliche Webseite auch nicht zwangsläufig. Aber bitte, bitte macht es Menschen wie mir, die tagtäglich mit Bildern und Texten arbeiten müssen und wirklich nur euer Bestes wollen, leichter, und merkt euch:

  • Webseite: Einfach, aussagekräftig strukturiert und mit Impressum. Und ohne Autoplay!
  • Fotos: Mit und ohne Instrument, hoch/quer, s/w – und alles in Print-Auflösung!
  • Bio: Deutsch/Englisch, im Idealfall in Lang- und Kurzversion.

Glaubt mir, den größten Gefallen tut ihr damit nicht mir, sondern euch selber.

Bussi! Euer kunstfeler.

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