Adele, die teuerste Frau Wiens

Es ist müßig zu erwähnen, dass ich ein großer Klimt-Fan bin. Spätestens seit einer Klimt gewidmeten Reise nach Wien im Klimtjahr 2012 fangirle ich zu jeder sich bietenden Gelegenheit vor mich hin. Völlig klar, dass ich auch „Die Frau in Gold“ sehen musste. Einen Tag nach Filmstart im Kino. Wie so’n Fangirl eben. Es geht um Adele Bloch-Bauer, die „österreichische Mona Lisa“. Adeles Mann ließ seine wunderschöne Frau von Gustav Klimt malen – eine Garantie, ein ganz besonderes Porträt zu bekommen (Klimts Frauenporträts zählten damals schon zu den Eindrücklichsten, gerade in der „goldenen Phase“, deren Höhepunkt Adeles Bild ist). Klimt und Adele kannten sich bereits vorher, er malte sie in anderen Bildern, ohne sie konkret zu benennen. Adeles Familie pflegte viel Umgang mit Künstlern und Mitgliedern des Wiener Bildungsbürgertums. In der Wohnung der Familie Bloch-Bauer fanden regelmäßig Salons statt, man war vernetzt, kunstverständig und aufgeschlossen. Warum nun aber ein Film über ein Bild?

Das ist sie, die
Das ist sie, die „österreichische Mona Lisa“.

Adele Bloch-Bauer I, so der korrekte Titel, stammt aus dem Jahr 1907. Viele Jahre hing es, gemeinsam mit anderen Klimts und noch viel mehr anderen Kunstwerken, in der Wohnung Bloch-Bauer, auch nach Adeles frühem Ableben im Jahr 1925. Bis zur Machtergreifung der Nazis. Die beschlagnahmten es und überführten Adele und die anderen Klimts ins Schloss Belvedere, damals schon Museum (und nicht nur Galerie, wie es im Film immer heißt). Ein Glück, möchte man sagen, denn andere, gefälligere Kunstwerke aus dem Besitz der Familie verschwanden in privaten Haushalten. So zum Beispiel auch Adeles Halsband, welches sie auch auf Klimts „Judith“ trägt. Das Halsband ging im Zuge der Beschlagnahmung in den Besitz von Hermann Göring über – was seitdem damit geschehen ist, lässt sich leider nicht herausfinden. Adele hing nicht völlig zu Unrecht im Belvedere. Sie verfügte zu Lebzeiten testamentarisch, dass die Bilder ins Belvedere sollten. Der Haken an der Sache: Die Bilder sollten erst nach dem Tod ihres Mannes an die Kunstsammlung gehen, taten es nachweislich aber schon eher. Maria Altmann, eigentlich rechtmäßige Erbin der Gemälde und im Film störrisch-verschmitzt verkörpert von Hellen Mirren, ist die Nichte von Adele. Sie flüchtete mit ihrem Mann vor den Nazis nach Amerika. Der Film setzt an, als sie im Nachlass Briefe ihrer verstorbenen Schwester findet, die auf die Gemälde anspielen. Ihr geht es nicht um das Geld, welches die fünf Klimts mittlerweile Wert sind, ihr geht es um Gerechtigkeit – und Adele (so wird es zumindest im Film dargestellt). Mit Hilfe zahlreichen Rückblenden lernt der Zuschauer Adele kennen, eine stolze, schöne junge Frau; auch ihre Familie. Auch die Situation in Wien, die sich immer mehr zuspitzt, wird durch farblich gedeckte filmische Überblendungen verdeutlicht; so eindrücklich, dass ich mehr als ein Mal einen Kloß im Hals hatte. Natürlich ist es kein Action-Film, aber als Maria und ihr Mann ihre Familie verlassen und durch eine Apotheke Richtung Flugplatz fliehen, entsteht schon das Gefühl einer Beklemmung – vor allem wenn man weiß, dass sich solche Szenen tatsächlich abgespielt haben. Ein Film über einen Rechtsstreit zu machen ist keine einfache Angelegenheit. Ein Film über Kunst-Restitution verspricht im Grunde auch kaum eine packende Story. Maria prozessiert mit Hilfe ihres Anwaltes Randol Schoenberg, dem Enkel Arnold Schönbergs, um die Herausgabe der Bilder und gewinnt am Ende, soweit die nüchterne Zusammenfassung. Tatsächlich lebt der Film von Helen Mirren in der Hauptrolle, Ryan Reynolds finde ich eher schwach im Vergleich. Die stark gezeichneten Charaktere vereinfachen die rechtliche Sachlage ein wenig: Obgleich es in Österreich eine Kommission zur Prüfung von Restitutionsfällen gab, lehnte man Maria Altmanns Gesuch mit Hinweis auf das Testament Adeles ab. Eine Rückgabe Adeles, die mittlerweile zu einer Art Markenzeichen geworden war, wäre einem Schuldeingeständnis gleich gekommen. Ein Politikum entspinnt sich: Mit der Anerkennung der Klage gegen Österreich in Amerika und dem letztendlichen Richterspruch, dass Adele in den Besitz Maria Altmanns zurückgeht, kam die Restitutionsdebatte erst richtig in Schwung. Natürlich spricht der Film davon wenig, es geht um Marias und Randols persönliche Geschichte. Sie gewinnen den Fall nur mit Unterstützung des Journalisten Hubertus Czernin, verkörpert durch Daniel Brühl. Grundlegend kann ich sagen, dass der Film sich bemüht, die Abläufe wenig reißerisch aufzubereiten. Leider bin ich ein wenig ambivalent, was die Beurteilung der Figuren und Chraraktere angeht: Helen Mirren spielt wie gewohnt souverän und überstrahlt dabei ihre Mitspieler. Gerade die Rolle Czernins gerät doch sehr in den Hintergrund und was genau er nun beigetragen hat, hat sich mir anhand des Filmes wenig erschlossen. Reynolds spielt Schoenberg als jungen, ein wenig unorientierten aber interessierten Anwalt, der seine Existenz dafür aufs Spiel setzt, Maria zu helfen – und einen Teil seiner österreichischen Identität zu finden. (Am Rande: In Wien besucht Schoenberg gerührt ein Konzert mit Musik seines Großvaters. Bewusst wurden dafür betont tonale Kompositionen gewählt… wollte man da dem Publikum nichts zumuten oder die transferierte Ablehnung der Musik des berühmten Opas gegenüber auf Randol nicht riskieren?). Gut gefallen haben mir die Szenen der jungen Maria (Tatiana Maslany) mit ihrer Familie. Auch wenn die junge Adele für meinen Geschmack nur klischeehafte Sätze abbekommen hat, ist es vor allem Marias Vater, der Eindruck hinterlässt.

Die Ähnlichkeit zwischen Adele und der Autorin dieser Zeilen ist frappierend.
Die Ähnlichkeit zwischen Adele und der Autorin dieser Zeilen ist frappierend.

Adele ist zu Maria zurückgekehrt. Sie ist 2006 als das damals teuerste Gemälde der Welt für 135 Millionen Dollar von Maria Altmann an Ronald Lauder verkauft worden und hängt jetzt in einer Galerie in New York. Auch Klimts zweite Adele, Adele Bloch-Bauer II, hängt in New York – als Leihgabe eines privaten Käufers an das MoMa. Adele ist also nicht nur die schönste Frau Wien – sie ist auch die teuerste.

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