Impuls der Zeit

Wenn am 11. und 12. November 2013 in Mittweida das diesjährige Medienforum stattfindet, treffen wieder Studenten und Vollprofis der Medienbranche aufeinander, um auf einem professionellen Kongress sich gegenseitig Impulse zu geben. Passend dazu lautet der Slogan des Medienforums in diesem Jahr auch „Impuls der Zeit“. 

Passend dazu findet im Moment eine Bloggerparade statt, die sich die Frage stellt, welche Medien eigentlich in Zukunft noch Impulse aussenden?

Impulsgeber der Zukunft: wonach wir uns richten werden

Als ein kompliziertes Geflecht von Werten und Vorstellungen ist die Gesellschaft nicht leicht zu durchschauen – schon gar nicht in einem Blogbeitrag. Aber wonach richten wir uns eigentlich im Moment? Kann man das so pauschal beurteilen? Ich denke es ist schwierig, bei derartig vielfältigen Strukturen eine allgemeine Aussage zu treffen. Natürlich kann man in allen Gesellschaftsschichten Trends beobachten, aber eine Spezifizierung der Betrachtung scheint mir unerlässlich. Was liegt mir also näher, als über Kultur zu sprechen?

Kultur ist was für alte Leute

Die Zeiten, in denen Kulturveranstaltungen als reine Rentner-Shows angesehen wurden, sind gottlob langsam vorbei. Auch wenn das typische Abo- und Dauerkartenpublikum sicher noch aus der altersmäßig fortgeschrittenen Schicht kommt (was auch mit der vorhandenen Zeit zu tun hat), entdecken viele Kulturveranstalter, dass es auch noch andere Zielgruppen gibt. Dementsprechend ändert sich auch die Kommunikation. Von Zeitungsbeilage zum Facebook-Post, von Telefonhotline zum Twitteraccount, vom Faltblatt zur App: Auch im kulturellen Bereich merkt man, dass der Trend zur Mobilität geht! Die Herausforderung hier besteht darin, ein ausgewogenes Verhältnis zu finden. Selten muss man so viele unterschiedliche Altersschichten parallel in die Planungen mit einbeziehen, deren Erwartungen sich dann auch noch so eklatant unterscheiden. 

Willkommen in Neuland!

Multimedialität und Netzwelt ist für viele Kulturveranstalter noch das berühmt-berüchtigte Neuland, auf dass man sich nur langsam traut. Und genau da liegt der Punkt: Traut euch! Geht weg vom anonymen Berichten und vielmehr hin zum persönlichen Erzählen! Nicht von oben herab, sondern aus der Mitte heraus müssen die Impulse kommen, um dort anzukommen, wo sie gehört und gespürt werden. Das erfordert viel Feingefühl und natürlich speziell dafür geschultes Personal – beides Aspekte, die gerade im komplexen Kulturbetrieb auf dieser Seite gern vergessen werden. Wer hat noch nicht das lapidare „Ach, das kann doch der Praktikant nebenher machen, wird schon nicht so schwer sein!“ gehört? 

Miteinander statt gegeneinander

Es ist ein Trugschluss, im Kulturbetrieb nur auf das eine oder andere zu setzen. Natürlich ist es schwer, den goldenen Mittelweg der Kommunikation zu allen Generationen zu finden. Für ein umfassed positives Image ist es aber wichtiger als kaum etwas anderes. Dafür muss man aber wissen, mit wem man spricht – und wie man das tut. Einige Kulturbetriebe tun das wirklich gut, andere glauben noch nicht so daran, dass das im Zweifelsfall existenzsichernd sein kann. All denen sei gesagt: Aufwachen! Ein solches schwarz-weiß-Denken behindert nicht nur den betriebswirtschaftlichen, sondern auch jeden kreativen Prozess.

Kommunikation ist keine Einbahnstraße

Neben den Impulsen, die von Seiten der Veranstalter ausgehen müssen, gibt es aber noch die in die andere Richtung. Eine Meinung des Publikums ist unerlässlich für jeden Kulturbetrieb. Es gibt so viele Dinge, die ein Publikum nicht möchte. Aber das will es ganz sicher: Ernst genommen und gehört werden! Also, liebe Veranstalter, liebe Museumsbetreiber und Kulturagenturen, liebe Theater und Konzerthäuser: Sprecht mit eurem Publikum! Zu jeder sich bietenden Gelegenheit! Sprecht mit ihnen, wie sie mit euch sprechen wollen, und nicht, wie es euch lieber ist. Leserbrief, Email und Fax sind da das Gleiche wie Facebook-Post, Quipe-Bewertung und Tweet. Jede Kontaktaufnahme ist ein Akt der Kommunikation und diese ist die Grundlage für euer Fortbestehen!

Für mehr Brandherde!

Fehlt noch eines: das Hauptargument der Kommunkationsverweigerer. Es lautet: Tradition. Ein großes Wort, das häufig falsch verstanden wird. Tradition ist eben nicht mit „Wir machen das so, weil wir das schon immer so gemacht haben!“ zu begründen. Wie soll das auch gehen? Irgendwann muss schließlich mal einer die grundlegende Idee weiterentwickelt haben, sonst stünden gerade Traditionsbetriebe wohl kaum da, wo sie heute stünden. Und Gustav Mahler hat dafür die treffendsten Worte gefunden: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ Damit das in möglichst vielen Menschen entzündet wird, sollte man wohl genau den Brandbeschleuniger nutzen, mit dem sie am besten korrelieren.

Für mehr Bandbreite!

Also, liebe Kulturunternehmen:  Für euch kann es in der medienhinsichtlichen Frage nach den Impulsgebern nur heißen: Alle, und zwar gleichberechtigt! Um das zu erhalten, muss allerdings ander „Internet-Schraube“ noch mächtig gedreht werden. Los, traut euch!

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