2012 – mit und ohne Belege

Januar
Ein Monat mitten im Chaos. Ich fasste mir zum ersten Mal einen Neujahrsvorsatz und, obwohl es schwer fiel, tat ich gleich alles, um ihn wahr werden zu lassen. Außerdem kaufte ich ein Kleid, ein sehr schönes, es ist schwarz und lang und eignete sich vorzüglichst für das Konzert, welches ich kurz darauf mit meinem hiesigen Orchester spielte. Seitdem bin ich bestens gerüstet für Bälle, festive Aktivitäten und sonstige Gelegenheiten, zu denen man vorzeigbar sein muss. Ganz nebenbei wurde in diesem Monat das arme kleine thg-Herzchen ziemlich geschunden, nicht nur von Hausärzten.

Februar
Während unser Bundespräsident nur widerwillig zurücktrat, wäre ich freiwillig von vielen Dingen zurückgetreten: Vom zurückkehrenden Winter, von einem von bekloppten Demo-Nazis umstellten Haus, einigen Entscheidungen und diversen Bahnsteigkanten.

März
Kettcar waren mit mir im Schlachthof! Leider waren wir nicht allein. Davon abgesehen stand der Monat sehr im Zeichen des Rock’n’Rolls, theaterbedingt. So kam es unter anderem auch dazu, dass ich im Pyjama auf Arbeit ging. Nachts. Leider hauchte meine geliebte Handtasche in diesem Monat spektakulär auf den Bahngleisen ihr Leben aus (ein entscheidender Punkt in der Aufzählung relevanter Dinge des Jahres, ihr seht!). Außerdem gab es ein Wiedersehen mit alten Geistern (die eigentlich noch gar nicht so alt waren).

April
Unvermeidlicher Weise wurde ich anfang des Monats urplötzlich ein Jahr älter. Ich ließ mich über diesen Umstand mit einer Orchesterprobenphase hinwegtrösten. Darüberhinaus ging ich in’s Stadion und tanzte, beides allerdings nicht gleichzeitig.

Mai
Dass ich alt und gebrechlich bin wurde mir spätestens bewusst, als ich mir Anfang Mai den Kiefer ausrenkte. Aber wie heißt es so schön? Im Mai gibt’s Brei. Da die Hände ja aber noch funktionierten, begann ich ein quasi handwerkliches Selbstportraitprojekt. Zudem panschte ich viel mit Holunderblüten, was einen gar nicht mal ganz so üblen Likör und einen hübschen, aber überschätzten Essig hervorbrachte. Ganz nebenher besuchte ich diverse Musikfestspielkonzerte.

Juni
Ich echauffierte mich sehr über einen Zeitungsartikel (das passiert mir häufiger, aber über diesen regte ich mich sogar über das übliche Maß hinausgehend auf). Dann traf ich sehr nette Menschen, die mich besuchen kamen. Außerdem fuhr ich eine gar nicht mal ganz so kurze Strecke mit einem Bus und schloss fast mit meinem Leben ab. Durch glückliche Fügung durfte ich es dann allerdings doch behalten und urlaubte mit viel Kultur in Wien. Dazu habe ich natürlich Fußball geschaut, öffentlich und nichtöffentlich. Ganz abseits von Fußball traf ich allerdings Herrn Liefers und stellte fest, dass der gar nicht mal so nett ist.

Juli
Im Gegensatz zum Kollegen Liefers ist der Herr Prahl ein sehr Netter; ein guter Musiker außerdem. das durfte ich im Juli feststellen. Auch sonst war ich häufig auf dem weißen Hirsch anzutreffen. Der Juli brachte erst Verwirrung und dann Klarheit, leider auf nicht wirklich schonende Weise.

August
Ich erinnerte mich, wie jeder Dresdner, an das große Elbehochwasser vor 10 Jahren. Außerdem kaufte ich mir, nachdem ich ein Jahr lang mit einer leicht demolierten Version herumlief, eine neue Brille. Eine schöne. Ganz nebenher bekam ich per Post eine Nachricht, auf die ich sehr, sehr lange gewartet habe. Ich ging immer mal ins Kino und fuhr erneut zur Orchesterprobenphase. Die war zwar anders als bisher, aber gar nicht mal ganz so gut. Unabhängig davon gab ich meinen Orchestersprecherposten ab. Im August verließ mich außerdem mein Rückhalt, mein Fixpunkt und stets offenes Ohr. Ein harter Monat mit vielen Entscheidungen und schweren Stunden.

September
Ich spielte im Gewandhaus zu Leipzig. Das war schön. Dazu trug ich mein Kleid. Das war auch schön (also das Kleid). Außerdem ging ich zu Bodo Wartke und amüsierte mich sehr, genau so wie bei den Wise Guys. Dann zog ich um und fing ganz neu an. Mit so ziemlich allem. Ich sprang über ziemlich lange Schatten, leider ohne davon abzunehmen.

Oktober
Ich war jetzt Pendler. Trotzdem ging ich immer mal ins Stadion. Einen Tag lang trug ich ein Dirndl. Ich war sehr überrascht über viele Dinge, die ich tat. Andere Leute auch. Außerdem trank ich Glühwein.

November
Ich habe viel gekocht. Außerdem war ich mal wieder bei Kettcar und im Brahms-Requiem. Ich fing wieder an zu stricken, diesmal Christbaumkugeln, und bekam teure Kameras in die Hand gedrückt. Ich kaufte ein Re:publica-Ticket und zog mich bewusst schrecklich an (nur für einen Abend, der Rest ist immer unbewusst, versprochen!). Ich verbrachte mal wieder Zeit in Berlin, sah weggezogene Freunde, bekam eine falsche Vorstellung und eine im Theater und in der Oper, letztere recht merkwürdig.

Dezember
Ich war schon wieder in Berlin und stellte erneut fest, dass mir diese Hipster alle zu hip sind, „zu hip“ allerdings im Sinne von „wie soll ich die ganze Zeit dieses Lachen und Kopfschütteln über euch unterdrücken?“. Dann ging ich auf Weihnachtsmärkte, zum Hobbit und permanent zum Kreuzchor. Plötzlich war dann Weihnachten und ich bekam, neben meinem neuen Schnuckibook, eine Gastritis geschenkt. Die nahm ich auch erstmal mit nach Lübeck, wo ich das Jahr am Strand, gemeinsam mit einem lieben Freund und einer Erkenntnis, ausklingen ließ. Ich habe schon schlechtere Silvester erlebt.

Januar
Ich schrieb zum ersten Mal einen Jahresrückblick.

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5 Gedanken zu “2012 – mit und ohne Belege

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