Wienbilder V

Samstagsfotos

Rainbowday! Oder: Samstag, der Vergnügungstag.

Bereits bei meiner Ankunft am Dienstag entdeckte ich die unübersehbaren Hinweise auf die Vienna Pride, Wiens fünftägigen CSD: Die Regenbogenflaggen am Rathaus waren unübersehbar, ebenso die Stände davor. Anders als andere Städte geht Wien mit schwullesbischen Festen offen und fröhlich um – es wird, wie man oben sieht, sogar die Straßenreinigung beflaggt. auch die Straßenbahnen trugen ein rot-weißes und ein Regenbogenfähnchen. Mut zur Farbe!

Doch bevor ich in die Regenbogenparade reingeriet, galt es noch ein wenig touristisches Programm „abzuarbeiten“. Zu fürderst natürlich musste ich noch in die Albertina, denn Bilder von Monet, Picasso, Nolde und anderen wollten dringend noch von mir betrachtet werden. Außerdem muss man bei einem Wien-Besuch die Hofburg ja wenigstens mal genauer von außen betrachtet haben. Leider ein dank Bauzäunen momentan nicht allzu erquicklicher Anblick.
Also schnell ein paar obligatorische Fiakerbilder gemacht und in den Schatten geflohen, denn 35 Grad lassen sich doch selbst im Volksgarten in der Sonne nur bedingt aushalten. Nach kurzer Überlegung, was ich mit dem angebrochenen Tag noch anstellen sollte, erinnerte ich mich an den Besuch auf dem Naschmarkt vor vielen Jahren und erkor spontan diesen zu meinem nächsten Ziel. 
Neben Unmengen von Obst und Trockenobst, Gewürzen, Souvenirs und türkischen bzw. thailändischen Ständen und kleinen Lädchen gab es Spezialitätentheken, bei deren Anblick einem schon der Zahn ins Tropfen geraten konnte. Ob Frischfisch oder Teigwaren: Hier bleibt kein Wunsch unerfüllt. Außerdem kann man so gut wie alles kosten! Warum noch mal haben wir sowas nicht auch in Dresden…?
Neben all‘ den Köstlichkeiten gibt es auch eher verrückte Angebote (die zumindest in meinen Augen so scheinen, angenommen werden sie sicher!): Austernessen und Champagnerschlürfen beispielsweise. So hübsch finde ich das Ambiente jetzt nicht, dass ich mich da zu Austern und Schampus hätte hinreißen lassen. Eine andere Merkwürdigkeit jedoch habe ich ausprobiert: Einen Espresso mit Johannisbeerkernöl. 
Allein das Wien eine Kaffeestadt sondergleichen ist und ich diese Tatsache bisher nicht schamlos ausgenutzt hatte, bewog mich zu diesem Experiment. Und außerdem: Johannisbeerkernöl? Wer wie ich mit einem johannisbeerreichhaltigen Garten aufwuchs und sich an die Fitzelei mit den winzigen Kernen zwischen den Zähnen erinnern kann, wird sich, ählich wie ich, fragen, warum sich Menschen die Arbeit machen, Unmengen dieser kleinen Störenfriede zu pressen, um daraus Öl zu schaffen. Nun, ich wurde erleuchtet: Die Firma Gegenbauer produziert primär Essig, auch Johannisbeeressig. Dabei bleiben viele Kerne übrig. Also kamen sie irgendwann auf die Idee, aus diesen Kernen (und aus denen der Aroniabeere, der Himbeere, …) Öl zu produzieren. Auf die Idee, es mit dem Kaffee zu kombinieren, kamen sie wohl bei der Überlegung, dass auch Kaffeebohnen beim Pressen ölig sind. Na, man kann’s ja mal ausprobieren. Interessanter Weise schmeckt das Öl tatsächlich ein wenig nach Johannisbeere. Die Kombination mit dem Espresso ist wirklich bemerkenswert, der starke Espresso wird weicher durch das Öl und zugleich fast ein bisschen fruchtig. Jeden Tag möcht ich’s jetzt nicht trinken, aber die Erfahrung war’s wert. (Eine 30ml-Flasche von diesem Öl kostet übrigens 16 Euro.)
Mein Plan, nach dem Naschmarktbesuch ein weiteres Museum anzuschauen, wurde jäh vereitelt: Als ich aus der U-Bahn-Station kam, platzte ich mitten ins bunte Treiben der Regenbogenparade. Aber ich bin ja flexibel und somit einfach da ein bisschen mitgetrabt. 
Diese Parade hat ja nun mal so gar nichts mit dem am Hut, was in Dresden als Christopher-Street-Day gefeiert wird. Gut, höchstens vielleicht den einen oder anderen, nahezu austauschbaren Partywagen. Aber ansonsten: Bunt, schrill, fröhlich, selbstbewusst. Und laut.
Das reinste Volksfest, bei dem nicht nur irrsinnig viele mitliefen, sondern auch viele Passanten die Wege säumten. Und, natürlich, viele Fotografen. Aber das ist ja auch kein Wunder, bei diesen fantasievollen Ausstaffierungen!

Der Wettergott war den Feiernden an diesem Tage ja wirklich wohlgesonnen. Trotzdem hat es mich verblüfft, wieviele auch völlig oder teilweise nackt mitgelaufen sind. Manche bisschen bemalt, manche gar nicht. Da gäbe es aber Aufschreie im schönen Dresden!
Um aber noch mal auf das oben schon erwähnte, beflaggte Rathaus zurückzukommen: In Dresden diskutiert man nur drüber und tut den Vorschlag dann als Spinnerei ab, in Wien hängt man die Flaggen einfach raus. 
Weil nun aber noch etwas vom Tage übrig war, beschloss ich, die Vergnügung fortzusetzen und zum Prater zu fahren. 
Wie bereits erwähnt blühen im Prater übrigens wieder die Bäume. (In dem Lied geht’s zwar um den Frühling, aber das soll uns an dieser Stelle nicht stören…)
Wer kennt es nicht, das Wiener Riesenrad? Mit Gondeln so groß wie Bauwagen und dezenten Touristenfallenpreisen lockt es die Besucherströme in den Vergnügungspark Wiens. Komisch, in meiner Erinnerung an den Wien-Besuch vor vielen Jahren findet sich wohl das Riesenrad (und eine von Sturm geprägte Fahrt darin), nicht aber die Fahrgeschäfte drumherum.
Weil man aber statt für Wucherpreise mit dem alten auch mit einem mindestens genau so großen, nur wenige Meter entfernt stehenden und deutlich günstigeren Riesenrad fahren kann, entschied ich mich spontan für letztere Variante. 

Time to say Goodbye – ein hübscher Hinweis auf die Schleuderkraft dieser Riesenschaukel.

Aber nicht nur auf nebenstehende Fahrgeschäfte, sondern auch auf Wien hat man einen traumhaften Ausblick, gerade bei sinkender Sonne!

Natürlich hat man auch den ganzen Prater im Blick. Das auf der linken Seite ist übrigens das Welthöchste Kettenkarussell. Ich wäre ja mitgefahren, hätte aber Tasche, Geld und Kamera allein und unbewacht unten zurücklassen müssen. Das war mir dann doch ein zu großes Risiko.
Für mich verblüffend: In meiner Erinnerung lag der Prater deutlich weiter außerhalb der Stadt. 
Süß, wie sehnsüchtig der kleine Mann schaut!
Zum Abschluss des Tages heute mal kein Kirchenbild. Ich habe da etwas passenderes!
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3 Gedanken zu “Wienbilder V

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