Wienbilder III

Donnerstagsfotos

Donnerstag, Tag der Musen und Museen. Und: Meet Klimt!

Der Donnerstag begann mit einem Besuch im Belvedere. Im oberen Belvedere, wohlgemerkt! Das Untere beinhaltet, ebenso wie das obere, ebenfalls diverse Kunstschätze und Ausstellungen, die Zeit reichte jedoch nicht dafür. Allein im oberen Belvedere habe ich über 3 Stunden verbracht, mir die auf 3 Etagen verstauten Kunstwerke, meist Gemälde, der verschiedensten Stilrichtungen von Barock bis Moderne zu Gemüte zu führen. Eine beeindruckende Sammlung, anhand derer sich leicht und anschaulich interessante Parallelen und Unterschiede zwischen den diversen Epochen ausmachen lassen. Aber natürlich war ich nicht da, um die barocken Bilder zu betrachten, die ich auch in meiner Heimatstadt bewundern könnte. Das Belvedere hat, und in diesem Jahr ist das natürlich das Lockmittel für Touristen und Kunstinteressierte aus aller Welt, den „Kuss“. Nein, nicht einfach nur zwei schnöde Knutschende, sondern Gustav Klimts bekanntestes und meistreproduziertes Bild. In zwei Räumen findet man also mehrere Werke aus Klimts unterschiedlichen Schaffensperioden (mal mehr, mal weniger Gold, um es auf eine sehr kurze Formel herunterzubrechen). Und ich muss gestehen: Auch wenn es wirklich voll war in diesem Räumen, auch ich habe mich vor den „Kuss“ gesetzt und ehrfürchtig, pardon, draufgeglotzt. Warum? Zum Einen, weil es doch beeindruckend ist, dieses Bild und Klimts darin gebannte Emotionen mal hautnah zu erleben, und zum anderen, weil es einfach schön ist. Ja, so profan können meine Bewertungskriterien auch sein.
Auf beiden Seiten des Gebäudes findet man einen unterschiedlich unter der Sonne leidenden Park, gesäumt mit diesen barbusigen, sphinxartigen Gestalten. All das macht es einem leicht, sich in die KuK-Zeit zu versetzen. Meine Herrn, muss das damals eine enorme Hütte gewesen sein! Und diese Massen an Räumen dazu!
Nach dem beeindruckenden Klimt-Erlebnis war mir klar, dass dieser Tag zur Klimt-Overdose geschaffen wurde. Also nichts wie auf zur Secession!
Diese wiederum ist ein Gebäude, das förmlich Klimt atmet. Er selber hat es mit Künstlerfreunden zu Ausstellungszwecken errichten lassen. Da kann man mal wieder sehen, was für Selbstbewusstsein die Herrschaften damals mitgebracht haben, denn die von Klimt mitbegründete Compagnie (schnöde gesagt eine Art Arbeitsgruppe) war nicht unumstritten.
(Oben: Secessions-Leitspruch über der Pforte.
Links: „Ver Sacrum“, Leitspruch Klimts und der Secession. Befindet sich links neben dem Eingang.
Unten: Die Gorgonen über dem Eingang.)
Im Gebäude selber befinden sich neben einigen anderen Ausstellungen auch noch das, was sich garantiert in jedem Wien-Stadtführer findet: Der von Gustav Klimt gestaltete Beethovenfries, welcher seinen Namen zum Einen daher generiert, dass er, wie der Rest der zugehörigen Ausstellung aus dem Jahr 1902, sich mehr oder minder mit Beethoven befasste; zum Anderen hat er konkret als Thema Beethovens Neunte. Anschaulich und Vielen bekannt dürfte Klimts Abbildung der Zeilen „Diesen Kuss der ganzen Welt“ sein.
Natürlich ist mir vollumfänglich klar, dass man den Beethovenfries nicht fotographieren darf. Ich habe mich auch daran gehalten, die Kamera brav in der Tasche zu lassen. Mit meinem Handy ist mir das allerdings nicht ganz gelungen, es reizte mich doch zu sehr. Da ich aber niemandem Bilder von schräg unten auf weit oben hängende Abbildungen zumuten möchte, kommen an dieser Stelle nur Fotos eines restaurierten bzw. neu erstellten Teilstücks (die Poesie), um dessen Entstehung es im Vorraum des Frieses geht. 
 

Begleitet werden alle einzelnen Teile stets von überleitenden, über allem schwebenden Frauengestalten, die die Träume und Sehnsüchte darstellen sollten (hier links zu sehen). 

Am Anfang steht der goldene Ritter, der von leidenden Menschen regelrecht angefleht wird, für ihr Wohlergehen zu kämpfen. Und er, begleitet von Ehrgeiz und Mitleid, zieht in den Kampf. Besonders beeindruckend finde ich ja die darauf folgende Darstellung der „feindlichen Gewalten“: Ein nahezu comic-hafter Gigant, die drei Gorgonen und die damit verbundene Darstellung von Krankheit, Tod und Wahnsinn sowie die sündhaften Leidenschaften Wollust, Unkeuschheit und Völlerei. Gleich darauf folgt der nagende Gram, eine imposante und fast einfühlsame Darstellung des Kummers. Nach der Überwindung all dessen geraten die schwebenden Frauengestalten an die oben links im Detail zu sehende Poesie und „über“ sie zu Schillers „Oder an die Freude“: Im Reich der Künste und Ideen gibt’s endlich „diesen Kuss der ganzen Welt“.
Als ich vor Jahren mit meiner Familie in Wien war, fand ich das ganze noch nicht halb so spannend wie jetzt. Schön, dass ich offensichtlich doch nicht nur einfach älter werde.
Einen kompletten Gegensatz dazu bildete die einzige Ausstellung, die außer dem Beethovenfries an diesem Tage noch geöffnet war: „Slaves and Tatars“. Ein Raum, eine Installation, die man nur begriff, wenn man die herumliegenden Katalgoge studierte, wozu mir allerdings etwas die Lust fehlte. Beim Blättern stieß ich jedoch auf folgenden hübschen Satz, den ich natürlich niemandem vorenthalten möchte. Schließlich geht es hier um Weisheit, und dafür soll dieser Blog stehen!
Um den Klimt-Tag zu einem wirklich vollgestopften Klimt-Tag zu machen besuchte ich danach noch das Wien Museum mit seiner Sonderausstellung zu Zeichnungen und Studien Klimts. Ein interessanter Blick „hinter die Kulissen“ der bekannten Bilder, wie z.B. der Universitätsbilder (deren Originale ja leider zerstört worden sind). Leider war die Nummerierung der dicht an dich gehängten Zeichnungen alles andere als mit einem System versehen, sodass selbst der Rundgang mit einem geliehenen Katalog zur Herausforderung wurde. Weniger eindrucksvoll waren die restlichen Stockwerke des Wien Museums für mich, aber vielleicht hat mein Kopf auch einfach nur beschlossen, dass es dann mit Museen langsam mal reicht für heute.
Da ich ja brav bin und manchmal, zumindest in solchen Fragen, auf meinen Kopf höre, begab ich mich in das nicht weit entfernte Musikvereinsgebäude. Nur nebenbei: Die Vielfalt Wiener Orchester ist schier unüberschaubar und es ist ein Wunder, wie die sich alle am Leben halten können.
Das schlaue Internet erzählte mir schon vor meinem Besuch in Österreichs Hauptstadt, dass an diesem besagten Abend die Wiener Philharmoniker unter Sir Simon Rattle zu erleben wären. Dass dieser in der Stadt ist wusste ich spätestens seit dem Vortag, an dem er mir telefonierend vor dem Stephansdom ins Kreuz gerannt ist (er darf das, ausnahmsweise, und er hat sich auch entschuldigt). Nur: Gab es noch Karten? Also auf gut Glück mal eine halbe Stunde vor dem Büro der Philharmoniker angestellt, als gelernter DDR-Bürger hat man da Grundkompetenzen auf diesem Gebiet. Das Glück war mir hold, und so ergatterte ich eine begehrte Stehplatzkarte für zarte 5 Euro und einem beeindruckenden Konzert mit Brahms, Webern und Schumann stand nichts im Wege. Ich schwärme noch heute von den großartigen Holzbläserklängen in diesem goldenen, überaus schönen Saal!
Ein letztes Bild für den Donnerstag: Die nächtlich erleuchtete Karlskirche.
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3 Gedanken zu “Wienbilder III

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