Besonderes Konzert unter besonderen Umständen

Es gibt sie noch, diese Konzerte, nach denen man, fingerschnipsend, heimwärts hüpfen möchte; die einem ein Grinsen in’s Gesicht zaubern; einen mit Ohrwürmern für das nächste Vierteljahr versorgen und das gute-Laune-Barometer für mindestens eine Woche auf Sonnenschein stehen lassen! Diese beruhigende und äußerst erfüllende Erfahrung durften all diejenigen, die sich am gestrigen Sonntagnachmittag im Schauspielhaus eingefunden hatten, machen. Dort begeisterte The Real Group mit hand- oder vielmehr mundgemachter Musik im Rahmen der Jazztage Dresden auf voller Länge. Eigene Songs, gemischt mit harmonisch ausgefeilten Arrangements bekannter Titel von Jazz bis Pop (unnachahmlich dabei das Pop-Medley, gewürzt mit stimmlich „leicht tiefergelegten“ Britney Spears-Zeilen) boten eine abwechslungsreiche Melange im besten Sinne. Fast schon überflüssig zu erwähnen, welch qualitativ hohes Niveau die zwei Damen und drei Herren aus Schweden (und seit einem Jahr auch mit Bariton  Morten Vinther Sørensen mit einem Dänen in ihren Reihen) auf die Bühne bringen. Fünf  beeindruckende Stimmen, von denen sicher die von Bass Anders Jalkéus am prägsamsten ist, die sich sowohl solistisch mit Leichtigkeit und Ausdrucksstärke im Vordergrund bewegen als auch einen harmonisch runden Gesamtklang ergebend ganz dem Ensemble unterordnen können. Wie immer verlassen sich die Sänger also ganz auf die Wirkung ihrer Stimmen – live, aber nicht (nur) unverfälscht. Was sie im besten Wortsinn performen, passiert alles live auf der Bühne, auch wenn dazu z.T. technische Hilfsmittel wie Loop-Geräte oder Stimmenverzerrung hinzugenommen werden. Das alles tut aber weder Authentizität noch Stimmung einen Abbruch – im Gegenteil, es erhöht den durchaus vorhandenen komödiantischen Aspekt der Darbietung zum Teil ungemein. Und so ist es gerade Jalkéus, der für seine Schauspielerischen Einlagen (als verrückter Professor, gefallsüchtiger Heldentenor oder Britney Spears) immer wieder Jubel erntet. Einziger Wermutstropfen: auch die zahlreichen Bravo-Rufe und der nicht enden wollende Applaus entlockten dem Quintett nicht mehr als zwei Zugaben.
Alles in allem war dies jedoch ein höchst gelungener Nachmittag, für den man auch den Künstlern höchsten Respekt zollen muss – nicht allein der großartigen Leistung wegen, sondern auch der besonderen Umstände halber: Nicht nur Sopranistin Emma Nilsdotter war (trotz deutlich gerundetem Babybauch!) keinerlei Anstrengung anzumerken. Dafür bedankte sich das Publikum mit herzlichem, tosendem Applaus, stehenden Ovationen und einem kleinen Lied für die Künstler, die sich sichtlich gerührt zeigten.
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