Urlaubsnachbeleuchtungen, Teil 2

 „Wandern?!“ – Diesen Ausruf, versehen mit einem völlig verblüfften Gesichtsausdruck, haben wir im Taunus das eine oder ander mal gehört. Bereits bei unserer Anreise machten unsere Wirtsleute in Oberursel einen ziemlich überraschten Eindruck – sie scheinen selten Gäste zu haben, die morgens die Schuhe schnüren und sich ein paar Brötchen schmieren, um sich gänzlich der Natur auszusetzen. Warum das so außergewöhnlich ist, wurde uns bereits am Ankunfstag klar. Die Geschäfte hatten zwar, dank sonntäglicher Ruhe, geschlossen – aber auch bei näherer Suche ließ sich in der Innenstadt keine Information finden. Außer ein paar Tafeln zu einem ebenen, am Urselbach entlangführenden Mühlenpfad ließ sich kein Hinweis auf eventuelle Wanderwege in der Umgebung finden. Zum Glück konnten unsere Wirtsleute uns mitteilen, dass am Stadtrand vor kurzem ein  neues Informationszentrum eröffnet hatte.

Voller Tatendrang führte uns unser Weg am Morgen des Montags also dorthin – um feststellen zu müssen, dass nicht nur viele Restaurrants den Montag als Ruhetag pflegen. Zm Glück fand sich allerdings eine Tafel, auf der Wanderwege verzeichnet waren, sodass wir diese, abfotographiert, in Ermangelung einer Wanderkarte nutzen konnten. Dass uns das nicht viel half, mussten wir später feststellen. Nach einiger Zeit auf einem „Kelten-Wanderweg“, auf dem immer mal ein paar Info-Tafeln standen, sollte uns unser Weg zum Limes führen. Nun, um’s vorweg zu nehmen: Wir fanden den Limesweg. Allerdings nur über zahlreiche Umwege. Bei der nachträglichen Rekonstruktion unserer Wanderroute mussten wir feststellen, dass wir nicht nur im Zick-Zack, sondern beinah im Kreis gegangen sind. Und warum? Nun, nennen wir es kreative Wanderwegsbeschilderung. So kreativ, dass die Markierung an einigen Kreuzungen einfach weggelassen wurde. Und so kreativ, dass es einige Wege gibt, die auf der von uns abfotographierten Wanderkarte gar nicht erst vermerkt waren.

Bei der Heimkehr wurde die von uns gedrehte Runde mit Ehrfurcht bestaunt. Wir hingegen hatten eher ein schlechtes Gewissen uns selber gegenüber, da wir nach nur 4 Stunden völlig frustriert an einer Bushaltestelle aufgaben. Nicht, ohne vorher noch den Hinweis darauf entdeckt zu haben, dass einige Wanderwegsschilder aufgrund andauernden Vandalismus‘ gar nicht erst neu aufgehängt wurden. Gut zu wissen! Verblüffend auch, dass an besagter Bushaltestelle gleich zwei Wanderkarten hingen: Beide zeigten den gleichen Ausschnitt, beide im gleichen Maßstab – aber beide unterschiedliche Wanderwege bzw. deren unterschiedliche Wegführung.

Sollte man also mal völlig mit sich allein und der Natur sein wollen: Ich empfehle den Taunus. Wir waren regelrecht erschrocken, wenn uns jemand entgegenkam. Das waren pro Tag maximal drei Personen. Auch auf dem Weg zum Feldberg war, entgegen all‘ unseren Vermutungen, nicht mehr los. Nur eines gab es wie Sand am Meer: Pilze (kein Wunder, außer uns ging ja kaum jemand in den Wald). Auf dem Weg, neben dem Weg, auf umgekippten Bäumen – ah, apropos umgekippte Bäume: die gab es auch. Zahllos lagen sie herum. An und für sich ist das ja jetzt nicht verwunderlich und das Konzept von möglichst „unaufgeräumten“ und somit naturnahen Wäldern ist ja auch nicht neu. Hier sah es allerdings eher aus, als wäre nach Sturm- oder Schneeschäden der halbe Wald abgeholzt worden – und dann hat man einfach das Holz liegengelassen, so dass es zum Teil scheiterhaufenartige Gebilde bildete. Durchaus… spannend.

Lieber Taunusklub, der du dort offenbar für die Wanderweginstandhaltung verantwortlich ist: Geht ihr die Wege manchmal selber? Und seid ihr verblüfft, dass bei euch so wenig Tourismus herrscht? Ich bin das nicht. Enttäuschend schlechte Ausschilderungen, kaum gewartete Wanderwege (alias Forststraßen), nirgends Hinweise auf das Informationszentrum, um nur mal ein paar Kritikpunkte zu nennen.

Nun, wir haben das Beste daraus gemacht. Wann kann man schließlich schon mal mitten in der Sommersaison behaupten, einen Wald für sich zu haben?

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3 Gedanken zu “Urlaubsnachbeleuchtungen, Teil 2

  1. Das wundert mich nun aber wirklich, hier werden die Wanderwege ständig von irgendwelchen überregionlan Testern überprüft und wehe es fehlt mal ein Schild, dann gibts das gleich in der Tagespresse.

    Das müsste doch im Taunius auch möglich sein oder?

    Liebe Grüße Shoushou

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