Erkenntnis Nr. 21: Höhere Gewalt

In der Planung eines Konzertes hat man viele Punkte, über die Man sich Gedanken machen muss. Vor allem, wenn es ein vergleichsweise kleiner Verein ist, der der Konzert plant und durchführt gibt es eine Menge zu organisieren, durchdenken und zu regeln. Für die meisten Punkte auf der „Konzertplanungs-Checkliste“ gilt: Gute Vorbereitung ist mehr als die Hälfte, dranbleiben ist der Rest. Für andere Dinge gilt dagegen eher das Prinzip Hoffnung. Man kann nun mal nicht beeinflussen, ob etwas schief geht während der Aufführung. Ob an dem Tag die Sonne scheint. Oder wie viele Gäste kommen. Das heißt: Dafür kann man zumindest ansatzweise etwas tun. Werbung über Mundpropaganda, soziale Netzwerke, Plakate, Handzettel, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Zeitungen – der Fantasie ist dabei keine Grenzen gesetzt. Den finanziellen Mitteln eines Vereines leider meist schon. Also bleiben für viele Orchester, Chöre und andere Laienmusikalische Institutionen der Stadt meist nur vergleichsweise finanziell günstige Wege der Werbung.

Die Kette ist also, etwas vereinfacht, so: Wer viel wirbt, hat meist auch mehr Zuschauer. Wer mehr Zuschauer hat, nimmt mehr ein. Wer mehr einnimmt, kann beim nächsten Mal mehr für Werbung ausgeben.

Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch: Wer wenig wirbt, hat nicht so viele Zuschauer. Wer nicht so viele Zuschauer hat, nimmt weniger ein. Wer wenig einnimmt, kann beim nächsten Konzert sein Etat für Werbung nicht unbedingt aufstocken. Kein besonders angenehmer Kreislauf für alle beteiligten des Konzertes. Zumal vielerorts noch der verbreitete Irrglaube herrscht, dass die Qualität der Veranstaltung an der Menge der Werbung zu messen ist.

Viele Vereine sind daher angewiesen auf Schützenhilfe. Diese bezieht sich nicht nur auf Mundpropaganda, sondern vor allem auch auf ein Medium, dass ohnehin viele beziehen und dem, jenseits von Werbung, Glauben geschenkt wird: Die Zeitung. Die gute alte Zeitung mit ihren Kultur- und Regionalteilen, die eigentlich einen Bildungsauftrag hat und das komplette Spektrum des städtischen und regionalen sowie überregionalen und internationalen Geschehens abbilden soll. Gerade Ensembles, die nicht an Institutionen wie Hochschulen, Musikschulen oder allgemeine Schulen gebunden sind und somit ohnehin schon einen geringeren Kreis an mit Mundpropaganda zu erreichenden Personen haben (nicht zu vergessen die ganzen Eltern, Omas, Tanten und sonstige Angehörige, die z.B. bei Musikschulkonzerten ohnehin schon einen großen Teil des Publikums bilden!), sind darauf angewiesen, in Zeitungen vorzukommen. Und was erlebt man in solchen Fällen leider häufig? Das oben angeklungene Prinzip Hoffnung. Man schreibt, schreibt an, verfasst und versendet bis zum Fingerbluten und bekommt was zurück? Nichts. Ach, doch, manchmal erhält man doch eine Reaktion in Gestalt eines Angebotes für Werbefläche. Kostenpflichtig, versteht sich.

Liebe Zeitungen und Zeitschriften: Ich verstehe völlig, dass auch ihr um die Runden kommen und eure Werbeflächen füllen müsst. Ich verstehe allerdings nicht ganz, nach welchen Kriterien ihr sortiert – und vor allem aussortiert! Allein die Kriterien, damit ihr auf ein Konzert hinweist, würden mich ja stark interessieren. Ohne euch jemals etwas unterstellen zu wollen finde ich doch in meinem Kopf manchmal das Bild, wie mehrere Redaktuere um einen Tisch herumsitzen und dann gemeinsam darum würfeln, welche Ensemble denn dieses mal in die Gunst einer Ankündigung gelangen.
Natürlich verstehe ich, dass arrivierte Chöre und Orchester auch im Laienbereich den Vortritt bekommen und dass es manchmal schlicht zu viele Veranstaltungen sind, um sie alle großflächig vorzustellen. Aber meint ihr nicht auch, dass Veranstaltungen dieser etablierten Laienensemble, bei denen außer Frage steht, dass sie „die Bude voll bekommen“, nicht unbedingt noch riesig angekündigt werden müssen?

Ach, und bei der Gelegenheit brennt mir gleich noch eine zweite Frage auf den Nägeln: Welcher Kulturredakteur legte eigentlich fest, dass Veranstaltungen von Laienensembles in bestimmten Zeitungen nicht rezensiert, ja in einigen sogar gar nicht erst angekündigt werden? Wo hat das denn bitte noch etwas mit dem „Überblick über lokales, nationales und internationales Geschehen“ zu tun?

Ihr merkt, ich bin ein wenig frustriert. Das wäret ihr aber auch, wenn ihr euch ein halbes Jahr lang für etwas ordentlich in die Riemen legt und dann kurz vor’m Schluss einfach mit Nichtachtung gestraft werdet. Und das jetzt schon zum… Ach, ich habe irgendwann aufgehört, mitzuzählen.

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4 Gedanken zu “Erkenntnis Nr. 21: Höhere Gewalt

  1. Oh die Frustration kann ich sehr gut nachvollziehen, vor allem wenn man sich so energisch engagiert , das hilft nur Vitamin B, auch heute noch, es tut mir wirklich leid und ich hoffe, ihr hattet dennoch ein volles Haus?

    LG und einen schöne Woche wünscht Shoushou

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  2. tipps [kenne das vom uni-orch auch so ähnlich]:
    wir werben großflächig mit gesponserten plakaten [druckkosten via kreissparkasse] und in den lokalzeitungen via uni/studium integrale. da ist der kontakt zur PR/zu zeitungen bereits vorhanden und gut ausgebaut. – gibt es für euer orchester vielleicht zuständige mit presse-kontakt? vitamin b funktioniert 'immer' 'besser'…

    und generell: ich hab' ja auch schon ein kammerkonzert allein und das zweit mit-organisiert; kann dir alles nachfühlen. anstrengend.

    viel erfolg für mittwoch!!

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  3. Danke Dir!

    Naja, wir werben jetzt über Plakate, Handzettel und Werbung in den Straßenbahnen. Frise Sponsoren, die uns so was fördern würden, haben wir ebn leider noch nicht, die sind schwer zu kriegen. Und Uni-Kanäle und so fehlen uns eben, da wir ja komplett unabhängig sind…

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