Dazwischen

Am Anfang meines Studiums, als ich noch ziemlich unbehelligt von verschiedenen musikalischen Grabenkämpfen, Namensschlachten und übermäßigen Erfahrungswerten war, sagte ein Dozent einmal: „Wenn Sie mal was zu Mahler gefragt werden, sagen sie immer, Mahler war „dazwischen“. Der Mann war zwischen so vielem, damit können sie gar nicht falsch liegen.“ Einige Zeit später hatte ich eine mündliche Prüfung – und wurde vor allem zu Mahler befragt. Aufgeregt und nervös ich war, antwortete ich also auf die Frage „Nun, Frau thg, was fällt Ihnen denn so ganz spontan zu Gustav Mahler ein?“ wahrheitsgemäß, kurz und knapp mit „Dazwischen“. (Wenn ich aufgeregt bin, plappere ich meist genau das, was mir gerade durch den Kopf geht…) Mein einzelnes Wort rief natürlich ziemlich verblüffte Gesichter im Kreise meiner Prüfer, die mit dem Dozenten aus meiner Anfagszeit nicht viel bis gar nichts zu tun hatten, hervor (in meinem sicherlich auch!). Und dann musste ich erklären, und zwar eine Menge.Vornehmlich, warum denn „zwischen“ so eine zentrale Rolle spielen würde. Nervös, wie ich war, redete ich mich gestikulierend um Kopf und Kragen und erklärte in einem, wie mir später attestiert wurde, flammenden Plädoyer, wozwischen ich Herrn Mahler und sein Schaffen überall einordnen würde. Ganz nebenbei muss wohl auch durchgeschimmert sein, dass ich Mahlers Werke wirklich umwerfend finde. Ich liebe Mahler! Und das ist wohl auch deutlich geworden.

Das Ende vom Lied war eine 1,1 sowie fröhliches Schulterklopfen und der Satz, dass dies eine sehr kreative und überzeugende mündliche Leistung war. Ich war ziemlich hin und weg. Und habe daheim erst mal meinem ehemaligen Dozenten eine kurze Email geschrieben. „Sie mögen sich vielleichtnicht mehr an mich erinnern, aber…“.

Wie ich darauf komme? Mahler, allgegenwärtig in diesen Tagen nicht nur durch das Mahler-Festival in Leipzig, hat heute seinen 100. Todestag.

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2 Gedanken zu “Dazwischen

  1. geile geschichte, für mich toll erzählt! 😀 ich kenn' das übrigens auch [oh überraschung ;)], daß ich mich dann 'verplappere' und gerade rücken muß, daß aber am ende dann doch alles gut ist.

    und ich liebe es, briefe/mails zu 'begebenheiten' an 'leute' zu schreiben!1elf [und wenn andere das tun, auch.] [sorry, unspezifischer ging's nich' ;)!]

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  2. 🙂 — sehr schön… und gut gemacht!

    und ich habe in den letzten tagen viel über einen mann gelernt dessen musik ich ungeheuer mag, von dem ich aber bisher kaum etwas wusste. auch wenn ich die sitte todestage zu begehen nicht wirklich nachvollziehen kann, hier bin ich dankbar!

    und danke dir fürs schmunzeln am nachmittag! und die anregung die 3. hervorzuholen…

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