Von schwarzen und weißen Schwänen

Dass ich selten ins Kino gehe, wiederhole ich oft genug. Daher liegt mir viel an guten Filmen, bei denen ich mich hinterher nicht ärgere, den Eintrittspreis bezahlt zu haben. Leider lese ich so gut wie nie Filmkritiken und muss mich daher wahllos auf die Aussagen mir bekannter Menschen verlassen. Gestern gab es dann doch tatsächlich mal eine Ausnahme von der Regel: Nach der morgendlichen Zeitungslektüre (inklusive Filmkritik, tatsächlich!) kam ich darauf, mal „Black Swan“ sehen zu wollen, einen Film, der in den letzten Tagen ja durch diverse Auszeichnungen in aller Munde war.
Wie schön, dass sich gestern gleich die Gelegenheit zum Schauen des Filmes ergab! Und was soll ich sagen? Ich habe es nicht bereut.

Ich möchte jetzt nicht Spoilern, daher nur die knappe Handlungsübersicht, die man auch in Zeitungen und Rezensionen bekommt: Es geht um Nina, eine Tänzerin, die in Tschaikowskys Schwanensee die Schwanenkönigin tanzen soll. In ihrem Hang um Perfektion ist sie allerdings so verklemmt und verkrampft, dass ihr einfach keine perfekte Präsentation des Bösen, des schwarzen Schwanes, gelingen will. Ihr Choreograph versucht sie mit allen Mitteln dazu zu bringen, sich von ihrem verklemmten, verkopften Tanzen zu lösen – mit verwirrenden, fatalen Folgen. Während ihre Konkurrentin Lily, die scheinbar sowohl zwischen der guten als auch der verruchte Seite an sich problemlos wechseln kann, gleichzeitig zu Bedrohung und Vorbild wird, verschwimmen bei Nina allmählich die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Über Natalie Portmann und ihre nahezu Selbstaufgabe für die Rolle der Nina war in den letzten Tagen in der Presse mehr als genug zu lesen – immer wieder ein Grund, sich ein eigenes Bild zu machen. Wirklich beeindruckend ist in der Tat, wie sie sich innerhalb eines Jahres mit umfassendem Training, und das muss wirklich sehr hart gewesen sein, auf diese Rolle vorbereitet hat. Es muss ein wahnsinnig intensives Arbeiten gewesen sein. Offengestanden habe ich wenig Ahnung von Ballett, oder vielmehr vom Tanzen, daher beeindruckt mich ihre Leistung äußerst. Mal ganz abgesehen davon muss sie sich bei der Gelegenheit auf ein Minimalgewicht heruntergehungert haben, was mich auf einer Seite beeindruckt und was wirklich zu der Rolle passt, was allerdings zeitweise schon gruslig aussieht.

Apropos gruselig: Zeitweise ist der Film nichts für schwache Nerven. Zwischenzeitlich verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit (was ist das eigentlich?) und Vision derartig, dass man sich aus Zuschauen selber nicht mehr gewiss sein kann, was nun gerade wirklich passiert. Ein bisschen übertrieben finde ich die Sache mit der „Gänsehaut“ – den Hautstellen, die wie gerupftes Federvieh aussehen und Nina zunehmend stoßweise überziehen. Aber auch das ist eben ein Element der Darstellung von Un-Wirklichkeit, gefallen muss es mir ja nicht unbedingt.

Dass der Film mit FSK 16 gekennzeichnet ist, verwundert übrigens nach kurzer Zeit auch nicht – weniger wegen einiger grusliger Szenen, eher wegen der erotischen Komponente. War niedlich zu beobachten, wie im Kino diverse Häupter verlegen zu Boden blickten, wenn es zur Sache ging.

Ich möchte das Ende nicht vorweg nehmen, nur eins: Ich mag es sehr, wenn Dinge konsequent sind, ein Gedanke bis zum Ende durchgeführt wird. In diesem Film wird das wirklich konstant durchgehalten. Ein Musterbeispiel!

Alles in Allem: Ich kann den Film wirklich empfehlen. Er ist wirklich packend und hat so ziemlich alles, was ein guter, unterhaltsamer und fesselnder Film haben sollte – Hingehen!

Hier noch der Trailer zum Film – ich finde ihn aber irgendwie nicht ganz so gelungen.

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4 Gedanken zu “Von schwarzen und weißen Schwänen

  1. @rebhuhn: yeah! hehe 😉

    shoushou: danke sehr! 🙂 Ich wünsch' dir wirklich viel Spaß beim Film, obwohl er irgendwie nicht spaßig ist… na, dann vielleicht eher „gute Unterhaltung!“ 🙂 Ich glaube nicht, dass du ihn bereuen wirst!

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  2. Ich danke für den guten Filmtipp. Ich war bisher noch zwiegespalten, da mir die Trailer zum Film, trotz des interessanten Themas, nicht so recht Lust machen wollten.
    Werde ihn mir bei Gelegenheit mal zu Gemüte ziehen. 🙂

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