Besonders stille Nacht: Ein Krippenspiel.

Weihnachten nähert sich unaufhaltsam. Und was gehört zu Weihnachten, vielmehr zum Heiligen Abend? Genau, ein Krippenspiel. Und weil Weihnachten ohne Krippenspiel nicht Weihnachten ist und wir zu unserer heutigen Weihnachtsfeier einen Kulturbeitrag bringen sollten, habe ich kurzerhand selber eins verfasst. Mit einem Augenzwinkern und ein bisschen sächsischer Mundart, wie immer.
Aufgeführt wird es wie folgt: Die Requisiten und Kleidungsstücke für die jeweilige Rolle werden in Beutel gepackt, pro Rolle einer. Diese Beutel werden dann ausgelost – somit wäre die Rollenfindung erledigt. Kann nun mal nicht jeder den Esel spielen. Zusätzlich bekommt jeder einmal den kompletten Text (mit der jeweiligen Rolle bunt angemalt) – und los geht’s. Ich für meinen Teil freu’ mich auf heut’ Abend – ich hoffe, es kommt gut an. 
Wer auch immer dieses Krippenspiel verwenden möchte: Gern. Aber bitte informiert mich doch unter vomlebengelernt [ät] gmx [punkt] de darüber!
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Besonders stille Nacht
Ein Krippenspiel für 17 Personen
Personen:
  • Erzähler
  • Maria
  • Josef
  • Hirte 1
  • Hirte 2
  • Hirte 3
  • König 1
  • König 2
  • König 3
  • Engel 1
  • Engel 2
  • Engel 3
  • Engel 4
  • Engel 5
  • Ochse
  • Esel
  • Wirt
Szene 1 – Anreise
Josef und Maria sind auf dem Weg. Josef stützt die schwangere Maria.
Am anderen Ende der Strecke hängt das HerbergeSchild.
Erzähler: Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die ward schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte.
Maria: Oooohr, Joseeeeeef! Isses noch weit bis in deine Klitsche? Weeßte wie übel Wassereinlagerungen in den Beinen sind? Ich kann ni mehr so lange laufn!
Josef: Habd’sch ni so, Weib, meckere ni rum!
Maria kreischt.
Josef: Nu ma ni so theatralisch! Mir sin’ doch glei da!
Maria (hechelnd): Josef – ’s geht los! ’S Kind kommt!
Josef: Ach du Heimatland! Und keene Klinik in Sicht! Jetz’ müss’mer aber schleunigst ä Hotel finden! Gugge ma, dort vorne, da is enne Herberge!
Sie laufen zur Herberge, Wirt macht „Zimmer Frei“ Schild ab und geht rein, bevor die beiden angekommen sind.
Josef klopft an.
Josef: Hee, Kolleeeesch, haste noch ä Zimmer für uns? Meine Frau kommt glei nieder und nirgends gibt’s noch ä Bedde!
Maria schreit.
Wirt: Ni so laut, mir ham schon Nachtruhe! Und frei hammor ooch nüscht mehr, ’s letzte Zimmer is grad weg. Und bei den Nachbern müssen ’se’s garni erst probiern, bei den is ooch nüscht mehr frei.
Maria schreit immer noch.
Josef (zu sich selbst): Und alles nur wegen der dämlichen Volkszählung! Augustus, dieser Depp! Und dann isses nichema rischt’sch mei Kind… So änne Huddelei!
Josef (zum Wirt): Gar nüscht mehr? Kee Stückl Matratze mehr irgendwo zu kriegen?
Wirt: Nee, gar nüscht mehr. Alles voll. Mir machen den Reibach uns’res Lebens, das sach’sch Ihn’! Naja, aber ich bin ja kee Unmensch. Im Stall hätt’sch noch ä Plätzl frei.
Maria: Mir is’ alles egal!
Maria und Josef stürmen am Wirt vorbei in den Stall.
Licht aus. Maria, Josef und Wirt ab, Auftritt Könige.

 

Szene 2   Könige unter sich
Könige gehen nacheinander. König 2 ganz hinten, bleibt immer mal stehen, blickt sich im Spiegel an und richtet Krone und Umhang, König 1 summt vor sich hin.
Licht an.
Erzähler: Siehe, da kamen die Weisen vom Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.
König 1: Balthasar, mehre ni so rum dahinten!
König 2 (spricht immer nasal, echauffiert und ausgewählt hochdeutsch!): Man wird sich doch wohl noch mal das Gewand richten dürfen!
König 3 (mürrisch): Nu, das passt ja auch suuuuper zu unseren Discounter-Kronen…
König 1: Na und? Dafür war’n se billig! Und anderswo verhungern de Kinder…
König 2: Aber die von Gucci hätte mir trotzdem besser gefallen!
König 3: Egal, wir müssn jetz trotzdem ma bissl zulegen, sonst is der Stern weg, bevor mir da sind!
König 1: (singt) „Wiiiiie ein Stern in einer Soooooommernaaaaaaacht…“ – Wir könnten ja ein Lied singen, während wir durch diese Ödnis hier latschen!
König 2: Ich singe nicht, das schadet meiner Stimme!
König 3: Looooooos jetzt! Ich gloob mir sind bald da, der Stern scheint ni mehr so schnell zu wandern!
König 1 (singt): Das waaaaaandern ist des Köööönigs Lust, das Waaaaandern ist des Köööönigs Lust…
König 2 & 3: RUHE!
Licht aus, Könige ab.

 

Szene 3 – Engelhierarchie
Aufbau Hirten: Sitzen auf dem Boden, spielen Karten.
Licht an.
Erzähler: Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen:
Auftritt Engel
Alle Engel singen:
Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her.
Ich bring‘ euch gute neue Mär,
Der guten Mär bring‘ ich so viel,
Davon ich sing’n und sagen will.
Euch ist ein Kindlein heut‘ gebor’n
Von einer Jungfrau auserkor’n,
Ein Kindelein, so zart und fein,
Das soll eur‘ Freud‘ und Wonne sein.
Hirten bibbern vor Angst.
Engel 3: Und zwar folgendes, liebe Hirten! (räuspert sich)
Engel 1 (zu Engel 3, 4, 5 (ohne Flügel)): Nu drängelt euch man i so in dn’ Vordergrund! Denkt dran: Gabriel und ich sind hier de Chefs, wenn der Big Boss grad man i da is. Ihr seid hier nur de Praktikanten, kapiert! Ihr habt ja noch nichema Flügel, vom Heilchenschein ma ganz zu schweigen. Müsster euch alles noch erarbeiten, klaro?
Engel 3, 4 und 5 kucken verschämt zu Boden und treten in den Hintergrund.
Engel 2 (bekräftigend zu Engel 1): Jawoll, Raphael!
Engel 2 (zu Hirten): Und nu zu euch! Mir solln euch ausrichten, dass ihr mal schleunigst eure Felljäckchen samt euch gen Bethlehem verfrachten sollt. Dort hat’s ä kleenes Wunder gegeben.
Engel 1: Genau. Unser Big Boss hat nämlich Nachwuchs bekommen.
Engel 4: Gott ist jetzt quasi der Godfather, haha!
Engel 2: Halt de Klappe da hinten! Also, nochema: Die Maria, was de Gutste vom Josef is, die hat den Jesus bekommen. Und die sind jetzt alle miteinander in Bethlehem in so ner Horntzsche, leicht zu erkennen an dem Stern obendrüber! Müsster euch unbedingt angucken, zumal das DER Erlöser schlechthin is, der da in dem Stall vor sich hinbrüllt. Ich sage euch: Mit dem hat der Big Boss großes vor!
Engel 1: So, gut jetz, Gabi, mir müssn los, der Micha wartet mit’m Kaffee!
Engel 5: Kömmer da nochma bei McDonalds vorbei?
Engel 1 holt aus, hebt die Hand
Engel 3, 4, 5 (zu Engel 1): Ätsch, das darfste ni!
Licht aus. Engel und Hirten ab.
Szene 4: Im Stall
Umbau: Hirtenzeugs weg. Krippe hin, dahinter Stuhl für Maria. Josef steht hinter Maria.
Licht an.
Erzähler: Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen
Ochse: Boooooor… Hat die gebrüllt!
Esel: Nu du aber ooch!
Ochse: Das ist Em-pa-thie! Aber davon verstehst du nüscht!
Esel: Du musst ni jedes ma mit deinem Hochschulabschluss angeben!
Ochse (zu sich selber): störrisches Vieh…
Esel (zu sich selber): Klugscheißer!
Maria: Du, Josef… ich gloob, ich muss dir was gestehn…
Josef: Wassn? Isser ni von mir? (lacht)
Maria: Nee… Josef… Also… Es is ä Mädl!
Josef (entsetzt): WAS?!
Maria: Haha! Reingefalln!
Josef grummelt vor sich hin.
Es klopft. Die Hirten treten ein.
Hirte 1: Tach zusammen! Wir haben gehört, hier soll ä gewisser Jesus geboren worden sein?
Josef: Nu… aber woher wisster das denn?
Hirte 2: Das war quasi die Push-Benachrichtigung der Engel-App auf dem SkyPhone, wenn man so will!
Hirte 3: Da isser ja! Och, is der süüüüß… Kammor sich garni vorstelln, dass der ma der Weltretter werdn soll… Naja, er hat ja noch ä paar Jahre Zeit!
Hirte 1: Mir ham’ euch ooch was mitgebracht! Guckt ma: Een Liter frische, feinste Schafsmilch! Nur vom Besten das Beste! (zeigt Milchpack)
Hirte 2: Gucke ma, Josef, für dich hammer auch noch was dabei: Falls de Nächte ma wieder sehr kurz sind… (zeigt Flachmann)
Hirte 3: Und für dich, Maria: Ä besonders warmes Tuch! Echte Schafswolle und topmodern! (zeigt Wollschal)
Hirten legen ihre Geschenke ab.
Es klopft. Die Könige treten ein.
König 1: Salem aleikum!
Josef: Gesundheit!
König 3: Wir suchen den neugeborenen König der Juden und sind gekommen um ihn anzubeten!
Hirte 2: Da seid ihr hier richtig!
König 2 (immer noch nasal!): Per-fekt!
Die 3 Könige knien stumm vor der Krippe, die anderen beobachten sie erstaunt.
Josef (nach ca. 10 Sekunden): Darf ich ma fragn was das hier wird?
König 2: Wir sind Gelehrte aus dem Morgenland und fanden in unseren schlauen Büchern einen Vermerk, dass mit dem Auftauchen eines besonders grooooßen und schööönen Sternes der Retter der Welt geboren wird.
König 1: Und letztn Dienstag hammer den Stern off eemal gesehn, und da dachtmer uns: nüscht wie los! Das is was ganz besonderes!
König 3: Und nun sind wir hier, um diesen so genannten Erlöser anzubeten. Und mir kommen ooch ni mit leern Händen!
König 1 & 3 nehmen die Rucksäcke ab, König 2 öffnet seine Tasche
König 1: Etwas Gold –  kann’mer immer gut gebrauchen! (zieht Goldtaler aus Rucksack)
König 2: Und Weihrauch! Der duuuuftet so gut! (zieht Räucherkerzen aus Tasche)
König 3: Und Myrrhe! Die is’ gesund! (zieht Bund Möhren aus Rucksack)
Alle 3 legen die Geschenke zu denen der Hirten.
König 2 sieht Wollschal, hebt ihn auf, begutachtet ihn.
König 2: Wow! Ist der von Prada?
Erzähler: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
Licht aus.
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6 Gedanken zu “Besonders stille Nacht: Ein Krippenspiel.

  1. alter – thg, du bist deer hammor.

    Die Maria, was de Gutste vom Josef is, die hat den Jesus bekommen. Und die sind jetzt alle miteinander in Bethlehem in so ner Horntzsche, leicht zu erkennen an dem Stern obendrüber! Müsster euch unbedingt angucken, zumal das DER Erlöser schlechthin is, der da in dem Stall vor sich hinbrüllt. Ich sage euch: Mit dem hat der Big Boss großes vor!… ist die besteste und lustigste zusammenfassung der ganzen chose, die ich je gelesen hab'! 😀 [gar nicht zu reden von dem bund möhren… ! *brüll vor lachen]

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