Von Gummifledermäusen, Gürteltieren und duaduaduadua

Vampirfilme sind ja gerade stark im Trend, wir man nicht zu letzt am irrsinnigen Erfolg der Twilight-Filme sehen kann. Und das charismatische Vampire nie aus der Mode kommen und keine spontane Erscheinung der selbigen sind, zeigte nicht zu letzt auch „Interwiev mit einem Vampir“, ein Film, den damals kein weibliches Wesen meiner Generation ausließ.
Als Mutter aller Vampirfilme jedoch genießt die erste offizielle Verfilmung von Bram Strokers „Dracula“ aus dem Jahr 1931 jedoch Kultstatus. Verglichen mit den heutigen Möglichkeiten waren die damaligen Techniken natürlich limitiert, sowohl was Aufnahme als auch was Effekte angeht. Aber natürlich liegt auch darin ein Reiz dieses Filmes, auch wenn es heute an so vielen Stellen zum Schmunzeln oder gar lauten Lachen anregt. Mehr als zum Gruseln, gemessen an dem, was Leuten heut im Kino die Angst in die Knochen einjagt zumindest. Da wuseln eben an einer Stelle Gürteltiere durch’s transsylvanische Schloss – weil sie exotisch sind. Und geradezu als Running Gag kann man die an unsichtbaren Fäden schwebenden und gleichmäßig wippenden Gummifledermäuse bezeichnen, die auch dem Publikum im gut gefüllten Innenhof der Zitadelle Spandau am vergangenen Donnerstag, den 15.07.2011, bei jedem Auftreten erneut die Mundwinkel nach oben zogen.
Doch nicht nur der Fledermäuse oder Bela Lugosi als Graf Dracula wegen waren die ca. 300 Personen gekommen. An der Grenze zwischen Stumm- und Tonfilm stehend fehlt diesem Film etwas für unsere Begriffe Entscheidendes: Die eigene Filmmusik. Nicht, dass ein musikloser Film schlecht wäre, es ist nur für unsere Begriffe unWas zwar nicht heißt, das der Film musiklos schlecht ist, was aber auch ganz einfach behoben werden kann. Zum Beispiel, wie in diesem Falle, von Philip Glass, der sich anschickte, für diesen Film nachträglich einen Klangteppich zu zaubern. Eben jener wurde, vom Kronos Quartett und unter der Leitung von Michael Riesmann, zum Film live „ausgebreitet“. Ein „echter Glass“ natürlich: Minimal Music at it’s best. Und warum auch nicht? Ein gleichmäßiges und doch so versetztes, sich stetig verschiebendes Streichquartett-duaduaduadua, gewürzt mit anständigen Effekten kann die Spannung, geschickt eingesetzt, ins Unermessliche steigern. Niemals wird Glass‘ Musik, so gleichförmig sie zu sein scheint, langweilig, stets bleibt sie abwechslungs- und facettenreich und dem Filmgeschehen bestens angepasst. Warum das Kronos Quartett jedoch durch bis zu zwei zwei elektronische Pianos, gespielt von Glass und z.T. auch Riesmann, unterstützt werden musste, erschließt sich jedoch nicht bis ins letzte. Diente dies der besseren Hörbarkeit? Mit dem richtigen Verhältnis von Musik- und Sprachlautstärke des (unangekündigt!) in englischer Originalsprache aufgeführten Filmes jedenfalls haperte es anfänglich noch etwas. Während man sich in den vorderen Reihen anstrengen musste, die transsylvanisch akzentuierten englischen Sätze zu verstehen, hatte man im hinteren Teil der Sitzflächen Schwierigkeiten der Musik zu lauschen. Aber auch dafür fand sich eine Lösung. Und sogar der rege Flugverkehr schien extra für diese Aufführung zu pausieren, auch wenn mitten in’s Finale eine große Maschine hineindonnerte. Langer, schallender Applaus zeigte an, dass es den Zuschauern in Spandau gut gefallen hat. Dass die Abstimmungsprobleme zur Aufführung zwei Tage später in Dresden gar nicht erst aufgetreten sind bleibt allen Besuchern der dortigen Veranstaltung nur zu wünschen. Denn dann wäre es ein rundum gelungener Kulturleckerbissen geworden!
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Ein Gedanke zu “Von Gummifledermäusen, Gürteltieren und duaduaduadua

  1. Das ist mit den meisten guten alten Filmen so. Sehe ich mal wieder die alten Sherlok Holmes Filme, die ich wirklich liebe, denk ich immer: Nimm doch mal das Handy und mit ner DNA Analyse hast du den Täter in 2 Sekunden,…tja die Moderne raubt auch manches schöne Filmerlebnis, wir sind alle viel zu aufgeklärt…

    LG und eine wundervolle Woche wünscht dir Shoushou

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