10111759-10112009

Der Mann auf diesem Bild feiert heut Geburtstag. Also, theoretisch würde er das tun, jedoch ist er schon 204 Jahre tot. Nach 20 Jahre Mauerfall nun also 250 Jahre Schiller – Jubiläen am laufenden Band. Genauso gut könnte man der Sesamstraße nämlich heute auch zum 40sten gratulieren, aber nee, deutsches Kulturgut muss gewürdigt werden. Außerdem kann ich zu diesem Anlass mal wieder etwas anbringen, was ich gestern ohnehin schon mal verschickt habe und immer wieder niedlich finde… aufdass ihr auch die Zungen brecht beim Versuch, es auszusprechen! Es ist für alle die, die wie ich im Deutschunterricht damals mit dem Auswendiglernen von Gedichten getriezt wurden – ich musste damals durch alle Strophen von „Die Kraniche des Ibykus“, durch den „Taucher“ und natürlich den allseits beliebten „Handschuh“… Na gut, wollen wir mal nicht leugnen, dass der Herr Schiller damit schon was hübsches geschaffen hat. So lang man’s nicht im Deutschunterricht vor einem Drachen und einer kompletten Klasse aufsagen muss.
Weil Schiller aber wohl auch dialekt gesprochen hat (und zwar schwäbisch wie’s böse!), gibts statt Torte und Kerzen von mir auch Dialekt-Schiller, allerdings auf sächsisch. Nicht direkt von Schiller, sondern noch mal mit einem Umweg über Lene Voigt, aber eigentlich fast ein bisschen schöner. (Und richtig (vor-)gelesen ist es sogar noch schöner als nur abgelesen… aber das bleibt euch erspart. 😉 )
(Tipp: „dr“ spricht sich ähnlich wie „dor“. Nicht, dass es in den Notaufnahmen des Landes heute noch unerklärliche Fälle von Zungenverknotung gibt.)

 

De Bärchschaft

Es war mal ä gans gemeener Dyrann,
där schnauzte bloß egal de Unterdan‘ an.
die musst’n sich schinden bei schbärlichen Habben
un dorften drzu rächt viel Schteiern berabben.
Da meente Härr Damon, ä Demograd:
„Jetzt, Brieder, basst uff: ich dreh‘ änne Dad!“
Un schon wärchtr nein in de Aktenmabbe
fimf Handgranaden, die warn nich von Babbe.
Druff schlichr sich hin bei dn beesen Dyrann
un brannte drzu ’ne Zigarre sich an.
(Das dorftr nich machen, die hatn verraten,
’s war ähmd noch ä Neiling in Addendads-Daden.)
Nu wurde mei Damon mit großn Gebrill
vorn Härrscher geschleeft, un där fragt, wasr will.
„Ich wollte dich eechentlich greilich ermorden,
doch – wiede ja siehst – is nu nischt draus geworden.“
Druff feixte rächt hehnisch dr beese Dyrann:
„De wolltest mich deeden? Nu gugge doch an!“
Da riefr de Gnächte, zwee rohe Ganallchen:
„Gommt här jetz un leiert dän Gärl nuff an Galchen!“
„Nu, musses dänn gleich sin? Das geht nich so schnäll“,
schbrach Damon, dr Handgranadn-Rebäll.
„ärscht muss ich mal runter nach Wurzen, mei Bäster,
da heirat de Glara, von mir änne Schwäster.
Ihr Liebster is Garle, von dämse ä Sohn hat,
un nu isse schon widder im siemten Monat.
Ich schtäll ooch ä Bärchen, dn Baule aus Borne.
Dän gannste an meiner Schtatt murksen im Zorne.“
„Na scheen“, meente Dyonis, gondle nur zu,
mir isses gans worscht, bammelt Baul oder du.“
(Dänn dass dr Damon gäm widder zurick,
das gloobte dr Härrscher nich een Oochenblick.)
Gaum war nu de Glara de Frau von ihrn Mann,
lief heeme Härr Damon so schnäll alsr gann.
Doch gurz vorm Ziele, da fängts an ze gießen,
als wollte de Ärde in Subbe zerfließen.
„Härrjeh“, schrie där Arme, „soll ich dänn verdärm?
Das is ja abscheilich – da nitzt ooch gee Schärm.“
Un weil ja ä Unglick gommt säldn alleene,
rutscht ooch noch de Bricke fort; das war gemeene.
Gee Gahn war zu sähn. Da rief Damon: „Verdimmich!“
Ich bin ja zwar wasserschei, awer jetz schwimm ich!“
Un glicklich erreichtr de andere Seite.
Da hubbt uffn zu änne grässliche Meite.
Von Reiwern un Märdern mit Schbießen un Schtang,
die wolln sich Härrn Damon zum Ahmbrod fang.
Där awer, nich faul, bocht se alle vorn Gobb
un flitzt dann drufflos in geschtreckdm Galobb.
Doch gaum isr zwanzich Minuten gerannt,
da gommt änne Dame, dodschick, elegant.
Die schmeißtn ä Blick zu, där gehtn dorchs Mark.
Jetz, Damon, sei dabfer! Jetz, Damon, sei schtark!
„Mir genn uns doch, Gleener“, meent zärtlich de Sieße.
Schon zittern Härrn Damon de Gnie un de Fieße,
da dänktr an Baulchen un brillt: „Heite nich!“
De hibsche Gogotte zieht weiter ihrn Schdrich.
Un wilder dud Damon druff rasen un jagen.
Schon sihtr von Färne de Gärchdärme ragen,
da fiehltr: ähmd jetz wärd ergriffen dei Baul!
Un saust nachn Ziel wie ä wahnsinncher Gaul.
Verliert seine Laatschen, dn Schärm un de Brille.
doch’s isn egal, geen Moment schtehdr schtille,
fliecht iwer ä Wärschtchenmann, stärzt durch ’ne Scheibe
Un landet vorm Galchen mit bibberndem Leibe.
„Hah“, brilltr zum Hänker, „das gennt eich so bassn!
Gleich lässte mei Baulchen los! Mich mussde fassn!“
„Nanu“, meent bedäbbert dr beese Dyrann,
„da gommt ja weeßgnebbchen där Esel noch an!“
Doch weil alle Leite so jubeln un Schrein,
da lädr die Beeden zum Dauerschkat ein
un flistert zum Scharfrichter: „Bis‘ ohne Sorchen,
mr hängse in aller Gemiedlichgeet morchen!“

(Lene Voigt)

Advertisements

5 Gedanken zu “10111759-10112009

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s