Nacht

 Zum Beispiel der Himmel. Er sieht aus wie eine große Erdölpfütze, die niemand wegwischen kann. Klebrig, fest, schmierig. Eine schwarze, zähe Masse, die vielleicht gar keine ist, ja genau, was ist das eigentlich. Der Himmel sieht aus als könne er Fäden ziehen, pappig wie halbgeschmolzene Lakritze, die Flecken verursacht. Er sieht aus wie eine schwarze Emailleschüssel, in die die Welt hineingelegt wurde, damit niemand ihr entkommen kann. Dieser Himmel ist ein Mantel, nur nicht der des sanften Vergessens. Der Dunkle Vorhang des Dumpfen, Matten, kaum ein Stern bleibt haften an ihm und die Nacht filtert alle Geräusche. Niemand hört, wenn der Himmel schwarz ist wie Kohle und zäh wie altes Leder. Der Himmel ist taub. Er ist wie ein Brunnen, ein Loch, in das alles hineinfällt, aber das nichts zurückgibt. Wenn wir Himmel sagen, was meinen wir dann? Ein großes schwarzes Nichts, das zugleich alles sein kann? Der Himmel ist eine unendliche Hutschachtel, eine Kiste, in der die Erde herumrollt und auf deren Grund sie doch nie ankommt. Man kann sich nicht vorstellen, dass neben dieser unendlichen Dunkelheit noch etwas anderes besteht als Ende und Unendlichkeit zugleich. Zum Beispiel der Himmel, er sagt uns: Alles ist ungewiss.

©thg

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