08101989

20 Jahre Mauerfall – Ein Thema, das in diesem Jahr schon viel durch die Medien gegangen ist und mit Sicherheit rund um den 9. November noch mehr durch selbige gehen wird. Im Mittelpunkt stehen bei der Berichterstattung vor allem auch die Leipziger Montagsdemonstrationen, die einen riesengroßen Anteil an der politischen Wende trugen und nicht hoch genug (ein-) zu schätzen sind. In diesem Tagen findet sich natürlich aber vor allem in dier hiesigen Presse ein Rückblick auf die Ereignisse in Dresden wieder, die vielleicht bei allen Blicken auf die Leipziger Demos häufiger mal etwas zurückstehen müssen.
Nachdem bereits am 4. Oktober die Züge mit den über die deutsche Botschaft in Prag Ausreisenden durch Dresden fuhren und es dabei zu Ausschreitungen kam, stand nämlich, im Gegensatz zu Leipzig, wo die Demonstrationen weitgehend friedlich verliefen, in Dresden die öffentliche Ordnung Kopf. Brutal ging es zu auf den Straßen, wenn Demonstranten und Hundertschaften der Polizei auf einander trafen, viele Festnahmen und menschliche Tragödien gab es. Ein Wandel zeichnete sich erst heute vor 20 Jahren, am 8.Oktober 1989, ab, als sich bei einer Demonstration auf der Prager Straße, Dresdens Einkauffstraße, die Polizei von den Demonstranten zu Gesprächen überreden ließ. Eine wichtige Rolle spielte hier, wie generell im Protest, die Kirche: Zu Andachten traf man sich vor allem in der Kreuzkirche, auch viele Nichtgläubige sahen hier eine Möglichkeit, ihrem Protest Raum zu geben. So waren es dann auch zwei Pfarrer, die zum friedlichen Austausch mit dem Militär anstifteten und auf deren Initiative die heute noch bekannte „Gruppe der 20“ gegründet wurde. Sie arbeiteten Punkte aus, auf deren Grundlage eine Diskussion mit führenden Parteimitgliedern basieren sollte.

In Dresden gibt es heute natürlich eine große Veranstaltung am Ort des Geschehens, auf der Prager Straße. Es werden u.a. Gedenktafeln mit den Namen der Mitglieder der „Gruppe der 20“ enthüllt, zudem gibt es einen Gedenkgottesdienst, Gesprächsrunden und vieles mehr. Wichtig dabei: Hauptsache, all das, was geschehen ist, wird nicht vergessen. Nachträgliche Romantisierung eines Staates, der seinen Bürgern derartig Grenzen in Entwicklung, Persönlichkeit und Grundrechten setzt, ist völlig unangebracht. Die Tendenz dazu, die zunehmend (und das nicht erst schwarz auf weiß seit der letzten Bundestagswahl) festzustellen ist, ist wirklich erschreckend. All jene, die nicht wissen, wie es war; die nicht dabei waren; die nicht ahnen; die nicht informiert sind; sollten sich schleunigst Zeitzeugenberichte anschauen und durchlesen. Sie sollten sich Videos anschauen, wie zum Beispiel DIESES, was die Eindrücke der frühen Oktobertage in Dresden wirklich eindrucksvoll schildert und auch die Gewalt, die eingesetzt wurde, nicht auslässt. Und vor allem zeigt es, wo einige der Opfer, aber auch der Täter heute sind: Hans Modrow, damals erster Sekretär der Bezirksleitung der SED in Dresden und später noch höheres SED-Tier, war später Bundestagsabgeordneter, Europaparlamentarier und ist heute Ehrenvorsitzender und Vorsitzender des Ältestenrats der Partei Die Linke.

PS: Ich weiß, ich bin selber nicht dabei gewesen, ich war noch zu jung. Aber ich habe Eltern, die wissen, dass man ganz schnell vergisst, wenn man als nächste Generation nicht von Anfang an mitbekommt, was geschehen ist.

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3 Gedanken zu “08101989

  1. Da passiert so etwas entscheidendes in Deutschland und ich befinde mich ausgerechnet da in Amerika… und der Mauerfall war dort eher nur kleinere Artikel in der Zeitung wert… (Ich habe von der ganzen Stimmung zu der Zeit leider nicht viel mitbekommen, wenn ich aber heute Fernseh-Ausschnitte sehe, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut…)

    Na, immerhin haben wir Deutschen in Atlanta eine „Wallparty“ an dem Abend veranstaltet und waren immerhin in den 23-Uhr-Nachrichten! 🙂

    Unglaublich, daß das schon 20 Jahre her ist… Ich werde (bin?) alt… *seufz*

    Steffi

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