Ringlein, Ringlein, du musst wandern…

Ich fühle mich ehrlich gesagt ein bisschen mies. Undankbar. Und ich weiß ja, dass sie es nett gemeint haben und wirklich nur das Beste im Sinn hatten. Aber… warum schaffen meine Eltern es eigentlich immer wieder, meilenweit an meinem Geschmack vorbeizuzielen? Man möchte ja meinen sie kennen mich nun mittlerweile lange genug, um z.B. zu wissen, dass ich keinen Ingwer mag. Oder keinen Cremelikör. Nett, wenn sie einem dann Ingwerplätzchen und Cremelikör mitbringen.

Gut, bei Plätzchen kann man das vielleicht noch verschmerzen. Aber in den letzten Jahren haben sie es wirklich konstant geschafft, mir aus ihrem Urlaub Dinge mitzubringen, bei denen ich mich zu einem glücklichen Gesicht sehr bemühen musste. Ich finde es ja unheimlich lieb, dass sie an meine Geschwister mich denken, während sie sich irgendwo von uns erholen – aber offensichtlich erholen sie sich zu gut von uns. 😉 Vermutlich gehöre ich auch zu einer wirklich mäkligen Sorte Mensch – aber eigentlich traue ich meinen Eltern schon zu, dass sie wissen, was ich nicht mag und meinen Geschmack etwas einschätzen können. Nunja, wie man sich manchmal täuschen kann. Einfache Beispiele abseits der bereits erwähnten Ingwerplätzchen und des Cremelikörs:

Eine Flasche Kürbisöl. Ja vielen Dank. Seit ich denken kann finde ich den Herbst eine Strafe, weil es da Kürbis gibt. Ich esse weder das selbstgemachte Kürbiskompott, noch den Kürbiskuchen, das Kürbisbrot, Kürbisgemüse oder was auch immer meine Mutter noch brutzelt, bäckt und kocht – wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich über eine Flasche Kürbisöl freue? Meine Schwester hat sie mir dankenswerter Weise abgenommen.

Ein Flakon Parüm. An sich schon eine diffizile Sache – Parüm verschenken. Sie habe
einem davon elend werden konnte. Kommentar meiner Mutter: „Dier Verkäuferin meinte, das wäre etwas für junge Mädchen, da haben wir’s genommen.“ Das junge Mädchen war bereits 21 zu diesem Zeitpunkt.

Einen Svarowski-Ring. Ohja… das war der Kracher. Vorgestern, als meine Eltern aus dem Urlaub wiederkamen, präsentierten sie uns stolz samtene Svarowski-Säckchen, die wir voller Vorfreude aufmachten. Nunja. Ich hätte den Beutel eigentlich ganz gern wieder zugemacht, aber das geht ja nun auch nicht. In jedem Beutel befand sich ein Ring aus Edelstahl, vorn mit einem Schlitz über die Breite des Ringes, dazwischen ein kleiner Svarowski-Stein. In einem Ring ein weißer, in dem anderen ein schwarzer. Da hätten sie ja eigentlich schon nachdenklich werden müssen. Schwarzer Stein – nicht unbedingt ein Zeichen für einen Damenring, zumal die Ringe wirklich sehr breit sind. Wirklich ins Grübeln gekommen wäre ich allerdings beim anprobieren, und das müssen sie getan haben, denn sie wiesen uns darauf hin, dass die Ringe sehr groß ausfallen würden. Trotz Größe M! Vielleicht muss ich sagen, dass sie zu meinem Glück sehr groß ausfallen, denn das bewahrt mich davor, jemals in Verlegenheit zu kommen, diesen Ring überhaupt tragen zu müssen. Liebe Eltern, falls ihr das irgendwann mal lest: Nein, das sind keine Unisex-Ringe. Der etwas kleinere mit dem hellen Stein vielleicht, den meine Schwester hat. Der andere ist ein Männerring. Wenn Größe M mir selbst an Zeige- und Mittelfinger, ja sogar am Daumen nicht passt, dann ist das eindeutig ein Männerring. Und nochwas: Ich bin glücklich, dass wenigstens meine Finger halbwegs schmal sind – der von euch ausgewählte Ring hat, egal auf welchem Finger man ihn versuchte zu tragen, komplett das unterste Glied des jeweiligen Fingers abgedeckt!
Das Traurige daran ist ja: Man will ja niemanden enttäuschen. Also macht man irgendwie gute Mine zum bösen spiel, jubelt insgeheim darüber, dass der Ring nicht passt und legt ihn dann schnell weg. Man weiß ja, dass es Geld gekostet hat und dass sie es nur lieb gemeint haben – und ist trotzdem ein bisschen enttäuscht darüber, dass da offenbar nur bis zur ersten Ecke gedacht wurde.
Ich habe den Ring mal versucht, meinem Bruder anzudrehen – der findet ihn genau so hässlich wie ich. Aber er passt ihm besser – und mein Bruder kann meiner Mutter kaum was abschlagen. Also muss er ihn jetzt nehmen… schon ne blöde Geschichte, irgendwie.

Ach, übrigens passt in diese Erzählung nahtlos das zweifelsohne absolut liebe Geschenk meiner Schwester, die mir aus den Niederlanden Schuhe (Und ich liebe Schuhe!) mitbrachte. Weiß mit bunten Streifen. Zitat: Ich hab dir extra die mit gelb-grünen Streifen mitgebracht. Seit wann mag ich gelb-grün? Nunja, ich hätte sie getragen, es hätte mich nicht so gestört. Aber sie waren ohnehin in der falschen Größe.

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11 Gedanken zu “Ringlein, Ringlein, du musst wandern…

  1. Ich hab einen sehr breiten Ring, den ich voll gern mag. Ein bisschen sieht er aus wie ein Ehering und er bewahrt mich vor Männern, denn ich trage ihn am rechten Ringfinger.
    Übrigens glaube ich, dass das erblich bei euch ist. Schon mal nachgefragt, ob sich deine Freunde WIRKLICH über Urlaubsmibringsel von dir gefreut haben? Oder hast du das anderweitig gelöst? :p

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  2. ja, das ding sieht auch aus wie ein ehering. aber nicht gerade wie ein wirklich schöner. vielleicht bin ich da doch eher der klassischere typ? ich habe auch einen breiten ring, aber der ist aus glas.
    ich käme einfach nicht auf den gedanken, etwas wie parfüm oder ringe zu verschenken.

    wie gesagt: ich will ja meine eltern damit nicht schlechtmachen. mir ists nur aufgefallen.

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  3. Ha, da biste nicht allein. Auch meine Eltern haben ein Talent haarscharf vorbei zu segeln, was Geschenke angeht. Ja, ist immer lieb gemeint, aber immer lächeln? Schwierig, schwierig.. Ich versteh dich jedenfalls..

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  4. Beruhigend, dass meine Eltern nicht die einzigen sind, die so viel Blödsinn verschenken. Oh, und meine Großeltern waren damals ganz pfiffig und Fans vom Teleshopping-Kanal, ja und ich „litt“ sehr unter ihrer Art, mir damit ihre Liebe zu beweisen. 🙂
    Vertick' es bei Ebay 😀

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  5. also meine mama und meine großeltern, die wissen jetzt, lieber erstmal fragen, im notfall geld.
    aber bei meiner einen omi:“oh toll! goldene delphin-ohrringe!“ oder „schöner tonweihnachtsmann, passtr super in mein expedit!“

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  6. Ich hab in letzter Zeit auch drei tolle Geschenke bekommen: einen Aschenbecher(???, niemand raucht bei uns…), den 4 Elefantenköpfe tragen,ein Steingut-Teegeschirr mit braunen Blumen für 2 Personen und ein Gipsbild von Mutter Teresa.

    Dies alles von unseren albanischen Mietern, die es ganz lieb gemeint haben.

    Im Freude heucheln bin ich schon echt gut!

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  7. Wir haben offensichtlich einiges gemeinsam :-)) – nicht nur den Apfelbaum!
    Wir haben es geschafft, nachdem ich nun wirklich keinen Nougat und keine personalisierten Handtücher in lindgrün oder rosa mehr sehen konnte, eine Vereinbarung zu treffen – wir schenken uns nichts mehr – so einfach ist das. Wir laden uns gegenseitig zum Essen ein oder ins Kino – und damit is es genug! Merkwürdiger Weise hat meine Mutter schon vor Jahren begonnen, den Kindern Geld zu schenken – „weil's so schwer ist, für die was zu finden“ – jetzt geht es uns allen besser.

    Herzlichst
    Susanne

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  8. ich bin ja froh, dass es nicht nur mir so geht! 🙂

    @pottkieker: ich hoffe ja, das man irgendwie übung im nett lächeln bekommen kann… 😀

    @kunstfehler: teleshopping? bitter…! 😀

    @wiepi: aaah… delphin-ohrringe… das klingt wirklich wie das grauen! 😀

    @michaela: was für eine irre sammlung… 😀 vor allem auf das gipsbild wäre ich ja echt scharf… 😉

    @bluhnah: bei meinen zeichen“talenten“ wäre das wirklich eine überlegung wert… 😉

    @wollwerkerin: personifizierte handtücher… ohjeh… hoffentlich werde ich auf ewig davon verschont 😉 aber das nougat kannst du mir gern abgeben, hihi 😉
    die vereinbarung mit essen und kino und dergleichen finde ich wirklich eine faire sache!

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  9. Seit doch froh über solche nutzlosen Geschenke. Ich habe davon auch noch das eine oder andere im Schrank. Ich schaue sie von Zeit zu Zeit immer mal wieder an.
    Es ist aber leider seit ein paar Jahren nicht mehr möglich solche Geschenke von meinen Eltern zu bekommen. :-(((
    Ich wäre froh ich bekäme noch welche. Gestern habe ich das Grab meiner Eltern nochmal zurecht gemacht!

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