Erkenntnis Nr. 15: Schlussmachen will gelernt sein.

Melde mich geschlossen zurück, allerdings weniger zuversichtlich und euphorisch als nach den letzten Probenphasen. Wer die letzten Nachberichterstattungen von mir gelesen hat konnte sicher schon den zunehmend kritischen Unterton herauslesen – nach der vergangenen Probenphase ist es für mich allerdings nicht im Bereich des Vorstellbaren, einen abdruckbaren Artikel zu verfassen. Vielleicht entsteht einer für den Blog, ich weiß es noch nicht.
Es geschehen einfach immer mehr Dinge, die dazu führen, dass das musizieren in diesem Orchester seinen Spaß und Reiz verliert. Früher war dies vielleicht auch schon an der einen oder anderen Stelle der Fall und einen großen Krach hatten wir ja auch schon (mit darauffolgendem Personalwechsel), aber damals war es eben so, dass (sicher auch durch den Personalwechsel) die Qualität des Musikmachens und die ständige Herausforderung Grund genug waren, sich immer wieder neu anzumelden. Ganz zu schweigen natürlich von den vielen Freunden, die man doch über die Jahre gefunden hat. Aber während ich jetzt in den gut 6 Jahren, die ich nun schon dabei bin, einiges toleriert und übersehen habe (z.T. „um des lieben Friedens Willen“) kommt jetzt langsam aber sicher der Punkt, an dem für mich die Qualität des Musikmachens und die ständige Herausforderung, ja sogar das Wiedersehen mit Freunden von Ärgernissen, Stress, persönlichen Fehlschlägen und Angriffen dermaßen überlagert wird, dass ich langsam aber sicher darüber nachdenke, einen Schlussstrich unter diesen Abschnitt zu ziehen. Natürlich kann ich das nicht wirklich wollen, und wer mich Dickkopf kennt wird wissen, wie schwer mir das fällt. Im Grunde meines Herzens sehe ich es eigentlich auch nicht ein. Vorher werde ich natürlich tun, was ich tun kann – reden, reden, reden. Mehr werde ich leider wohl nicht tun können.
Froh bin ich über die Unterstützung, die mir entgegengebracht wird von Seiten des Orchesters, auch von Personen, mit denen man bisher nicht so viel zu tun hatte. Dann kommt man ins Gespräch und sieht schnell, wie ähnlich doch eigentlich die Ansichten sind, auch bei Musikern von denen man sie so nicht erwartet hätte. Aber leider ist es schwierig eine breite Masse zu erreichen, wenn ein so großer Teil des Orchesters aus (wechselnden) Aushilfen besteht. Es sind doch schon einige gegangen, weil sie mit den Zu- und Umständen ständen nicht mehr klargekommen sind bzw. damit klarkommen wollten. Natürlich sind wir ein Auswahl- bzw. Projektorchester, aber wir sind, entgegen aller Behauptungen einiger, trotzdem nicht in der komfortablen Lage, uns unsere Leute unbegrenzt auszuwählen. Dann würden wir ja wohl kaum in einem Orchester sitzen, dass zur Hälfte bald aus Aushilfen besteht! Natürlich sollte man auch nicht irgendwelchen „Guten alten Zeiten“ nachtrauern, die dann vermutlich lediglich alt, aber nicht gut sind; aber die Bemerkung, dass von einem Kern engagierter Musiker, die mit ihrer Konstanz in der Anmeldung einen Fortbestand des Orchesters über einige Zeit hin gesichert haben, immer mehr gehen, sollte wohl eher Bedenken statt Widersprüche auslösen.
Wie soll man noch guten Gewissens werben für etwas, wovon man selber nicht mehr überzeugt ist? Für etwas von dem man weiß, dass es nicht nur Freude, sondern auch viel Zwiespalt bringt? Für etwas, von dem die Angeworbenen dann Geschichten erzählt bekommen, die einem durchaus die Augen weiten?

Hieß mein letzter Artikel nach der Osterprobenphase noch „Fördern und Fordern“ (nachzulesen u.a. hier), so müsste ich einen Artikel nach der nun vergangenen Zeit wohl „Fordern! Fördern…?“ oder ähnlich nennen.

So wollte ich eigentlich nicht gehen. Es wird sich zeigen, in wie weit die sich abzeichnende Situation noch geändert werden kann. Ich hoffe sehr, mich aktiv darin einbringen zu können.

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5 Gedanken zu “Erkenntnis Nr. 15: Schlussmachen will gelernt sein.

  1. Ich kann dich gut nachvollziehen, stecke selbst in so einem Verein. Mir hilft es, derzeit (examensbedingt) eine Auszeit zu nehmen. Alles mit Abstand zu sehen. Vorher war man viel zu involviert. Und jetzt kann ich mir sogar wieder vorstellen, im kommenden Jahr wieder mit zu mischen. 🙂

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  2. hm. auszeit nehmen ist so eine sache – wer raus ist, wird ersetzt. was ich durchaus verstehen kann, schließlich müssen die stimmen ja belegt werden. sonst wäre das für mich vielleicht auch eine option gewesen. naja, mal überdenken.

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