Erkenntnis Nr. 14: Wer suchet, der findet – was auch immer.

Es gibt Dinge, die verursachen mir Bauchschmerzen. Aus ideologischen Gründen, gewisser Maßen. Dazu zählt zum Beispiel das Wegwerfen von Büchern – ich kann das einfach nicht. Als Resultat dieser Angewohnheit ist mein einziges Zimmereigenes Bücherregal völlig zugestopft, sodass sich auf einer Seite schon die Außenwand verzogen hat, wodurch die Zwischenböden samt Büchern nachts immer mal scheppernd und krachend zu Boden fallen. Alle weiteren Bücher sind ausgegliedert – in Elterliche Bücherregale, auf regalähnliche, freiliegende Dachbalken im Treppenaufgang, in Kisten und in diverse andere Behältnisse.

Ähnlich verhält es sich mit Noten. Noten wegwerfen? Niemals! Man könnte sie ja nochmal gebrauchen, irgendwann. Selbst wenn es die früheste Unterrichtsliteratur ist, mein Gott, vielleicht lernt’s nochmal jemand anderes oder einem Schüler könnte es mal nutzen. Leider zieht das die selben Konsequenzen wie die vielen Bücher nach sich: Ich habe viel zu viele Noten. Überall. Und da sie sich in elterlichen Wohnzimmerschränken irgendwie doof machen, sind diese Noten größten Teils bei mir eingebunkert. Stapel- und Ordnerweise kopierte Blätter, teils (Asche auf mein Haupt…) unsortiert, Schnellhefter aus den Anfangszeiten, Stehordner voll Quartettnoten, Duette, alte Orchesternoten (Nostalgie, Nostalgie…), Klavierbegleitstimmen, Partituren, alles mögliche eben. Dazwischen immer mal ein Hefter mit Noten aus den Gesangsunterrichtszeiten. Nur gut, dass die Blockflötennoten aus Kindertagen wenigstens nicht auch noch dabei sind.

All dies ist der Illusion geschuldet, man könnte ja das eine oder andere irgendwann noch brauchen, ach, und hier, dieses kleine, kurze Stückchen, das war niedlich, das passt zu Freud und Leid. Und das hier, ach, waren das Zeiten. Und dieses hier, das habe ich mal dortunddort gespielt, ist gut angekommen, könnte ich nach bisschen Üben auch mal spielen, falls Bedarf besteht. Natürlich kommen ja auch immer wieder Sachen dazu. Da kopiert man sich hier etwas, da kauft man sich unvernünftiger Weise zu überteuerten Preisen da mal noch ein Original, da kommt der Eine mit Duetten und ein Anderer mit Quartettstimmen. Es wird immer mehr, es wird nie aufhören.

Und dann passiert genau das, was mir heut mal wieder passiert ist: Ich erhielt eine Anfrage, ob ich nicht diesen Samstag zu einer goldenen Hochzeit in der Nachbarkirche etwas spielen könnte, wenn möglich mit Orgelbegleitung. Gut, bis diesen Samstag ist jetzt nicht mehr allzu viel Zeit, daher sollte es etwas sein, was man schnell in die Finger bekommt. Klar, sag ich, kein Problem, ich hab da schon was im Hinterkopf. Für solche Fälle krame ich meistens Bach raus, passt eben auch, wie man so schön sagt, zu Freud und Leid.

Nun war nur die Herausforderung, das besagte Heft in dieser Minibibliothek zu finden. Tja. Wo fängt man am besten an zu suchen? Nachdem ich mich also von oben langsam nach unten und dann von links nach rechts durchgearbeitet habe, hatte ich weder die Saxophon- noch die Klavierstimme des gesuchten Heftes, dafür aber andere nette Dinge gefunden. Nur: Den Bolero zur goldenen Hochzeit in der Kirche…? Na, immerhin fiel mir bei der Aktion auf, dass ich die Bolero-Noten (komplett!) überhaupt habe. Sie befanden sich irgendwo in einem Stoß Quartettnoten. Ebenso erging es mir mit einer Reihe anderer Noten, die bei dieser Aktion zu Tage traten – nur sind die Leider irgendwie alle nicht Goldene Hochzeit-fähig. Mittlere Panik breitete sich aus – wo ist der Bach? Wo ist das Universalheft?

Gerade eben rief mein Lehrer an. Ob ich ihm heute seine Noten (Oh Schreck! Ich glaube, die habe ich gerade irgendwo wild dazwischengeschoben… also noch mal suchen.) mitbringen könnte. Im Gegenzug würde er mir dafür das Bach-Heft wieder mitbringen, dass ich ihm vor ’nem halben Jahr geliehen hätte.
Ich geh‘ dann mal aufräumen.

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7 Gedanken zu “Erkenntnis Nr. 14: Wer suchet, der findet – was auch immer.

  1. 1. Ich liebe Bücher, könnte die auch nie wegwerfen, maximal verleihen, so lange der Leiher sie haben will 🙂
    2. Nimm' dir eine größere Wohnung, darin ein Zimmer nur für dein Bücher- und Notenarchiv.
    3. Stelle eine/n Studenten/in ein, die das Archiv einräumen darf. Am besten jemanden, der etwas in Richtung Bibliothekswissenschaften studiert 🙂

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  2. 1.: genau. nur muss ich mir ne liste machen und aufschreiben, wem ich was geliehen habe – bei meinem durchlässigen gedächtnis…
    2.: das ist DIE idee… jetzt brauche ich nur noch das geld dafür 😉
    3.: perfekt. du bist absolut begnadet, was gedankenblitze angeht! 🙂

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  3. @mary: du möchtest nicht zufällig grad mal bei mir vorbeikommen…? 😀

    @stigandr: äh… ich bin mir nicht ganz sicher 😀

    @geschichtenerzähler: ja, fragt sich eben nur, was 😉

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  4. Hab heute erst ein weiteres Zitat gelesen:
    „Wenn ein unordentlicher Schreibtisch auf einen unordentlichen Geist hinweist, worauf deutet dann ein leerer Schreibtisch hin?“ (Albert Einstein)

    In diesem Sinne: Mut zum Chaos. ;D

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