Wahlsonntag: Frustessen?

Nachdem ich heute Vormittag auf unerklärliche Weise von Krämpfen im Bein geplagt wurde (sowas hatte ich zu letzt mit 12 und da erklärte meine Mutter das lapidar mit „Du wächst. So ist das nunmal. Nimm Magnesium.“) bin ich heut Nachmittag erstmal zum Wahllokal getrabt. Schön den Berg rauf, das hat so reizend gezogen im rechten Bein.
Was ich mich frage: Warum habe ich jedes Mal ein anderes Wahllokal? Letztes Jahr die Grundschule im Neubaugebiet, von hier aus gesehen die Straße eine ganze Ecke nach rechts gefahren; davor die Realschule, die links ein Stück bergauf liegt – und dieses Mal eine Firma, die ziemlich weit den Berg rauf liegt. Das verstehe, wer will. Das Beste daran: 300 Meter von hier, also wesentlich näher, ist noch ein Wahllokal. Für wen? Keine Ahnung. Alle Nachbarn etc. durften auch Richtung Freital um ihr Kreuzchen zu setzen. Ich bin ja sehr gespannt, wo es dann im Herbst hingeht.

Spannende Sachen gab’s ja da für Europa zu wählen. Ein endloser Zettel… Nunja. Ich kann mir schon die Scherzkekse vorstellen, die „Die Piraten“ gewählt haben. Gut vertreten waren ja auch die Rentner mit gleich zwei auf sie spezialisierten Parteien. Neu mit dabei waren „Die Violetten“, die hatten irgendwie lächerliche Plakate in, Überraschung, violett und mit Schmetterlingen. Eher so Friede-Freude-Eierkuchen-Athmosphäre… Bei der sich zur Wahl stellenden Feministischen Partei war übrigens auch ein Mann aufgestellt. Wie ist der denn auf die Liste gekommen?!
In einer Stunde soll’s ja Ergebnisse geben. Die erschreckend geringe Wahlbeteiligung dürfte zumindest nicht aus unserem Bereich stammen – dank der anstehenden Stadtratswahlen waren doch viele Dresdner auf den Beinen.
Auf dem Zettel meines Wahlkreises gab es bekannte Namen zu lesen – ein Schulfreund von mir (ein Anderer ist in einem anderen Wahlkreis für eine andere Partei angetreten), ein Bekannter und, zum allgemeinen Brechreizerzeugen, mein Nachbar. Der, den ich so unglaublich fest in mein kleines, aber kräftiges Herzl geschlossen habe. Den mit den nervigen Lärchenbäumen, die nie zurückgeschnitten werden und daher alles, nur nicht sein Grundstück zunadeln. Der mit den wirklich hohlen Söhnen, die einen doch eher zweifelhaften Sinn für laute und schimpfwortgeprägte Rapmusik haben. Der mit den großen Reden, hinter denen nie etwas dahinter ist. Der mit den Zetteln, die er anderen in die Briefkästen schmeißt. Der mit der nicht ganz sauberen DDR-Weste, die er offensichtlich schon wieder vergessen hat. Der mit den selbstinszenierten Fernsehauftritten, die vor falschen Behauptungen nur so strotzen. Der mit der blöden Angewohnheit, zum telefonieren in den Garten zu gehen, damit alle ringsumher hören, was er Wichtiges zu besprechen hat. Der, der Samstag/Sonntag Mittag zwischen 13 und 15 Uhr anfängt zu schreddern/mähen/hämmern/hobeln etc., damit alle mitbekommen, wie fleißig er ist (den Rest der Woche tut er nichts). Der, dessen Söhne laut und lange mit viel Alkohol und schlechter Musik feiern – wohingegen er sich klingelnder Weise am nächsten Morgen gegen 7.30 Uhr beschwert, wenn ein mal im Jahr noch nach 22 Uhr etwas lauter gesprochen wird. Der, der seine Pakete nicht selber annimmt, auch wenn er zu Hause ist, damit er sie später bei den Nachbarn abholen kommen und sich wichtigtun kann. Der, der haarsträubende (Lügen-)Geschichten über Nachbarn anderen Nachbarn erzählt. Ich könnte ewig mit dieser Liste weitermachen.
Mich nervt allein schon dass sein Gesicht von den diversen Bäumen im Umkreis herabgrinst. Wehe, er geht nicht die Nacht noch los und macht die Plakate ab… Dann gibt’s von mir mal nen Zettel in den Briefkasten.
Ich bin ja echt gespannt, wohin er’s gebracht hat. Nicht allzu weit, hoffe und vermute ich. Zumal er für keine Partei, sondern für eine Bürgervereinigung kandidiert.

Besonders hübsch fand‘ ich neben den Walderdbeeren, die ich auf dem Heimweg fand (nein, da war kein Wald. Das hat zwar hier Stadtrandcharakter, aber der Wald geht erst weiter oben los), folgenden Aufsteller einer Fleischerei:

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QuickPost

Sollte wohl mal Frostessen gehießen haben, aber Frustessen passt wohl für den Einen oder Anderen auch.
(Vorläufige) Ergebnisse für die Stadtratswahlen in Dresden findet man hier. Ich bin ja mal gespannt auf die Zeitung von morgen, was beide Wahlen angeht. Und ich freue mich wahnsinnig darauf, dass endlich diese Plakatierungen verschwinden!

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8 Gedanken zu “Wahlsonntag: Frustessen?

  1. @geschichtenerzähler: danke 🙂

    @pottkieker: ich hoffe doch nicht! weder als blog- noch als blockwart… frustessen ist gut, ne? eine runde für alle!

    @finchen: ohjeh, so schlimm?

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  2. Ich habe gerade bei Microsoft die neue Suchmaschine ausprobiert und „Frustessen“ eingegeben. Dachte, dass wäre vielleicht n Fleischer“slang“ 🙂 Herauskaum, neben diversen „Hilf dir selbst“-Seiten: SURIMI! *lach*

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