Rückmeldungsbeobachtungen

Ein verschlafenes Hallo an sämtliche Mitleser! Nach einigen Tagen, die ich nun schon wieder da bin, melde ich mich nun auch offiziell mal wieder zurück. In den letzten Tagen war von Arbeiten bis Liegengebliebenes zu viel zu tun, als dass ich zwischenrein mal die Zeit dafür gefunden hätte. Ein paar Bilder habe ich schon im Studivz hochgeladen, für alle Glücklichen die sie da sehen können. Alle anderen müssen sich wohl noch ein paar Tage gedulden, denn bei Picasa kann man hirnrissiger Weise immer nur 5 Bilder auf einmal hochladen – in Schneckengeschwindigkeit. Da ich alles in allem runde 1000 Bilder gemacht habe (Ankes toller Kamera sei Dank!) dauert das, selbst wenn ich eine Auswahl treffe, ziemlich lange. Ich sags ja immer wieder – gebt mir nur keine Kamera in die Hand, ich schau‘ mir sonst alles nur noch durch den Sucher an.

Einen kleinen Zwischenbericht gab es ja schon – allzu viel gibt es da nicht zu ergänzen. Es war eine enspannende, schöne Zeit in Aachen, C. hat sich ganz viel Mühe gegeben. Wir sind viel gelaufen, haben viel gesehen, haben auch mal relaxend einfach nur auf einer Wiese im Kurpark rumgelegen. Am liebsten wäre ich ja nach meinem Rückflug am Mittwoch gleich wieder in den Flieger retour gestiegen und zurück, aber ne, so gehts ja dann leider auch nicht.

Auf die Gefahr hin, jetzt als Meckerliese abgestempelt zu werden, möchte ich aber noch ein paar Bemerkungen anfügen. Man halte mich ob ihrer bitte nicht für arrogant, das sind einfach Dinge, die mir aufgefallen sind.

1. Businessmen

Inlandflüge voller Businessleute und Geschäftspersonal sind irgendwie nervig. Auf dem Flug nach Köln hatte mein Sitznachbar vergessen sein Handy auszuschalten – woraufhin es prompt kurz nach der Landung, als das Flugzeug noch rollte, Geräusche von sich gab. Der Arme… der wurde von der Stewardess ziemlich zusammengenietet beim Aussteigen. Na, wenigstens schlief er den Flug über und war ruhig, was man von meinen Nachbarn beim Rückflug nicht behaupten kann. Geschäftsleute, ein Pärchen. Nicht genug, dass er sich wahnsinnig breit machte und dann sogar noch bei seiner Liebsten beschwerte, als ich mich tatsächlich erdreistete, Noten aus meiner Tasche zu nehmen, auf meine Knie zu legen und „trocken“ zu üben („Was für komische Dinge die da tut…“), die beiden hatten auch alle Mühe dabei, mich irgendwie zu unterhalten. Er war mit irgendwelchen Zeitschriften zum Thema Managerseminare u.ä. beschäftigt, sie mit dem Focus – und anstatt dass sie die irgendwann mal tauschen lasen sie sich permanent in belastender Lautstärke irgendwas vor, inklusive Stellenanzeigen und Merkwürdigkeiten. Nicht, dass es mich interessiert hätte, aber den neusten Klatsch über Bekannte und Mitarbeiter taten sie ebenfalls kund. Erstaunlich, wie viel Gelaber man in so einer Stunde Flug unterbringt. Zumal ich ohnehin schon grundgenervt war – der Flieger hatte 45 Minuten Verspätung, die ich Zeitunglesend verbrachte. Das heißt – ich wollte Zeitung lesen. Praktisch habe ich auch darin gelesen, wurde aber vom Realisieren und Verstehen des Gelesenen durch einen ganz, ganz ungeheuer Wichtigen Businesstypen abgehalten, der erstmal sein halbes Telefonbuch darüber informierte, dass der Flieger verspätung hat, er dann weiter nach Leipzig fährt und wie die genaue Route seines Nachtzuges nach Köln (inklusive Umsteigen und Buchungsdetails) aussieht. Ferner war es natürlich immens wichtig bei jedem Telefonat zu erwähnen, dass er morgen um 11 schon wieder im Ministerium sein müsse. Sämtliche um ihn Herumsitzenden konnten dann ab dem vierten Telefonat schon mitsprechen, die Dame neben mir zählte an den Fingern die Themen ab, die er schon abgehakt hat bzw. noch anzubringen hatte während des jeweiligen Telefonats. Ich hab mir wirklich überlegt, ob ich ihn mal dezent darauf hinweise, dass es die restlichen Mitreisenden wirklich wie die letzte Wasserstandsmeldung interessiert, wie seine Zugroute aussieht oder ob er wenigstens mal sagen kann, warum er ins Ministerium muss, denn den Rest hätten wir schon gehört, uns gelüstet nach neuen Erkenntnissen. Ich habs dann lieber doch gelassen. Mit derartig wichtigen Leuten kann ich einfach nicht mithalten.
Wenn ich derartig wichtig tun müsste und mit aufgegebenem Gepäck reisen würde, wäre dieser Koffer übrigens kein kleiner schwarzer Trolley, wie ihn jeder hat. Denn genau das ist das Problem: Während meine Kraxe sehr, sehr leicht auf dem Gepäckband zu identifizieren war, standen sämtliche Anzugträger verbiestert neben dem Rollband und drehten verzweifelt jeden Trolley um, um ihn als den Ihrigen zu identifizieren. Da wurden ab und an mal die Falschen vom Band geklaubt. Einer der Herren hat es ganz clever gemacht und sich Aufkleber auf den Koffer gepappt – wobei über die optischen und repräsentativen Qualitäten eines schwarzen Trolleys mit Marienkäferaufklebern durchaus zu streiten ist.
Das allerbeste zum Thema Flug ist mir allerdings auf dem Hinflug passiert. Da fragt man sich wirklich, ob einige den Verstand mit dem Koffer abgegeben haben. Nachdem ich nach gefühlten drölf Stunden Wartezeit einen Platz in der Boarding-Schlange erhaschte (Wo ich mich übrigens zwischen den Anzugträgern fühlte wie eine Tube rote Farbe in einem Farbasten voll Schwarz und Deckweiß) sprach mich plötzlich jemand von hinten an: „Na, junge Frau, ganz alleine unterwegs?“ Was sagt man in einer solchen Situation? „Nein, meinen Mann habe ich aus Kostengründen in den Koffer gepackt und aufgegeben.“? Ich habe mich für ein schlichtes Umdrehen, Augenverleiern und „Offensichtlich.“ entschieden, für Weiteres war ich zu Müde. Aber der Gute ließ, jetzt erst Recht, nicht locker, und legte mit der dämlichsten Frage, die jemals in einer solchen Schlange gestellt wurde, nach: „Wo soll’s denn hingehen?“ Da hat’s mir dann gereicht. Auf mein schlichtes „Ich weiß ja nicht, ob sich der Flieger irgendwo teilt, aber ich sitze definitiv in dem Teil, der nach Köln fliegt.“ sagte er nichts mehr, wohl aber ein paar andere Leute in der Schlange, die ihn offensiv angrinsten. Selber schuld.

2. Architektur

Ja, ich bin ein verwöhntes Kind. Ich komme aus einer Stadt, die wesentlich mehr schöne Ecken hat als viele andere Städte dieses Landes. Zudem wird sich um diese schönen Ecken in den letzten Jahren auch noch verstärkt gekümmert. Ganz nebenbei ist Dresden ein Fleckchen Erde, an dem das Debattieren groß geschrieben wird, und am allerliebsten debattiert man über Architektur, Bauerwerke, Stadtgestaltung und Umwelt. (Mal ganz nebenbei komme ich zu allem Übel auch noch aus einer Familie, in der das einem gewisser Maßen in die Wiege gelegt wird.) Dies voraus, denn das sind vermutlich die Gründe dafür, warum ich durch andere Städte gehe und mir manchmal nicht sicher bin, ob ich die Augen vor Erstaunen geweitet oder vor Entsetzen geschlossen halten sollte, um es mal etwas übertrieben darzustellen.
Nicht, dass Aachen oder Köln Städte wären, in denen man mit Scheuklappen und dem alleinigen Fokus auf den jeweiligen Dom herumrennen soll, um Himmels Willen, nein. Aber man merkt schon deutliche Unterschiede: Immer, wenn mal Geld da ist, wurde irgendwo hin ein Haus hingezimmert. So, wie es gerade passte. Überall. Dadurch entstehen irgendwie völlig inhomogene Ramsch-Innenstädte, die voller 70er- und 80er-Jahre-Bauten sind und bei denen man den Eindruck hat, dass hier kaum eine wie auch immer geartete Identifizierung mit möglich ist. Natürlich kann man nicht immer alte Bausubstanz erhalten, wenn sie z.B. im Krieg massiv beschädigt ist. Aber zu großen Teilen kann man sich bemühen, gewisse Strukturen aufrechtzuerhalten, wie z.B. Einhaltung gewisser Höhen oder Ähnliches, um dem Ganzen wenigstens ein halbwegs homogenes Bild zu verschaffen.
Es bringt natürlich nichts, an dieser Stelle über (moderne) Architektur zu streiten – gerade in Aachen scheint es z.B. seitens der Universität große Mode zu sein, einfach mal irgendwohin große, grobe Klötzer mit Lichtschlitzen als Fenster zu bauen – aber man merkt schon deutlich unterschiedliche Geschmäcker und Gewöhnungen/Gewohnheiten, wenn man sich so umblickt.
Ich frage mich wirklich, wie Dresdner Bürger reagiert hätten, wenn man ans Königsufer ein Hochhaus, wie es gegenüber des Domes am Rhein zu sehen ist (und wie ein weiteres durch Unesco-Intervention verhindert wurde… tatsächlich mal was sinnvolles, was die Unesco getan hat. Aber eine Brücke ist ja kein Hochhaus… egal, ich schweife ab), gebaut hätte – bzw. den Plan dazu gefasst hätte. Protestläufe, Eingaben, Bürgerentscheide, Plakate, Bürgerinitiativen, Unterschriftensammlungen, das volle Programm vermutlich.

3. Menschen

Das ist jetzt wirklich eine diffizile Sache. Es möge mich niemand dafür schlagen, ich versuche hier nur, meine Eindrücke zu schildern.
Mir ist aufgefallen: Aachener Studenten sind älter. Und wenn sie es nicht sind, sehen sie zumindest so aus. Natürlich haben sie 13 Jahre Schule und dann gern auch noch ein Jahr hintendrangehängt, aber man hat einfach das Gefühl, dass alle älter sind. Verrückt. Älter und wichtiger. Als wir in diesem Theaterstück waren, saßen um uns herum viele Studenten (Überraschung… es war ein Studententheater!), die sich ganz eifrig austauschten. Und alle hatten wahnsinnig wichtiges von sich zu erzählen: Ein Auslandssemester hier, noch im Verteiler der Uni in Barcelona von dem Jahr in Spanien, ein Praktikum bei derundder renomierten Firma dortunddort, die Eltern dasunddas und später mal hierundda. Hätte Wichtigkeit Leuchtkraft, so wäre ich vermutlich ein schwarzer Punkt in Mitten von strahlenden Sonnen gewesen – so zumindest kommt man sich vor. Wie kann man sich nur so unglaublich wichtig nehmen? Vielleicht bin ich überempfindlich, aber das geht bei Freundlichkeit im Dienstleistungsgewerbe los (fast hätte ich mich dafür entschuldigt, ein Brötchen zu kaufen; man musste ja Angst haben, die gute Frau springt gleich über den Tresen!), geht über eine ausgeprägte Beschwer-Mentalität und endet bei so kleinen Dingen wie unglaublichen Rempeleien in Fußgängerzonen, weil einfach niemand einer entgegenkommenden Person ausweichen will. Bedrückend ist sowas!
Aber natürlich ist auch das, wie erwähnt, nur ein subjektiver Eindruck. Ich habe auch viele nette Leute getroffen, Cs Mitbewohner(in) und Cs Freund zum Beispiel.

Nicht, dass ihr denkt, ich habe mich den ganzen Urlaub lang nur aufgeregt: Nein! Diesen Eindruck wollte ich jetzt nicht vermitteln!
Was das Antworten und kommentieren anderen Beiträge angeht – seht mir nach, dass ich damit nicht nachkomme. Mein Reader zeigt mir hunderte Beiträge an, ich würde durchdrehen und bräuchte einen 48 Stunden-Tag, um mir das alles eingehend zu Gemüte zu führen. Falls ich was Wichtiges verpasst habe, weist mich einfach darauf hin.

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13 Gedanken zu “Rückmeldungsbeobachtungen

  1. Marienkäfer auf Koffern sind doch toll! :rcain:

    Btw.: Welche Zahl ist bitte „drölf“? Zwölf komma fünf? ;P

    Ich hätte zu gerne dabei gestanden, als du dem Herren mit dem geteilten Flugzeug gekontert hast. 😀
    Er hätte nur noch fragen müssen: „Und? Bock?“ xD

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  2. deine gedanken sind schwarz und schmutzig, lieber stigandr! 😛 hätte er das gefragt, wäre mir entweder die hand ausgerutscht, mein ignore-blick mit hochgezogener augenbraue wäre zum einsatz gekommen oder ich hätte schlicht „mit dir? sicher nicht.“ gesagt. 😛

    drölf… ist irgendwas. es gibt auch drölfzehn, aber das ist dann wesentlich mehr als drölf.

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  3. @rebhuhn: stimmt. farbenfrohe woche 🙂

    @stigandr: 😀 aber dann bitte der auf deinem bild! auf DEM bild! 😉

    @finchen: ich und pöbeln? das wäre das letzte, was ich tun würde! bin doch so unglaublich gut erzogen… 😉 hannover und umgebung gefällt mir übrigens. du hast also nichts zu befürchten! 😀

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  4. Ich will auch wissen, was der um elf im Ministerium macht! +++ Ausgerechnet DU beschwerst dich über Marienkäferaufkleber? +++ Der Flieger teilt sich? Woooow! Watt'n geiler Spruch… *kringel* (Ich darf ja nicht so laut lachen, ich sitz ja im Büro.) +++ Du kommst aus Lieblingsstadt! Kein Wunder, dass dich architektonisch nicht mehr viel beeindruckt. +++ Die gute Osterziehung spüre ich in München auch ganz deutlich. +++ Diese C.'s bei rebhuhn und dir verwirren mich immer. Ihren C. kann ich zuordnen, was ist deiner für einer? +++ Bei mir hast du nix wesentliches verpasst, nur Arbeit bis zum (fast)umfallen. Heute Tag 17 von 17. Yippieh! 😀

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  5. 😀

    leider werden wir das wohl nie rausfinden… der elfuhrtermin wird auf ewig ein rätsel für uns bleiben 😦

    ich habe mich nicht beschwert! ich habe nur deren repräsentative qualitäten etwas in frage gestellt… 😛

    du hast recht. gegen hier stiebt vermutlich nahezu jede stadt einfach mal ab… hach, ich liebe mein verschrobenes, aber schönes dresden!

    ja, das kam schon das eine oder andere mal raus, dass man die erziehungsunterschiede deutlich merkt.

    „mein“ c heißt conrad und ist mein unschlagbar bester freund, der zum studium in aachen weilt. wir spielen im selben orchester.

    ein ende naht! das ziel ist in sicht! yeah!

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