Jazz Special – Henri Texier Strada Sextet

Der Abend begann ungeheuer vielversprechend. Als ich in der Innenstadt an der Haltestelle auf meine Straßenbahn wartete taten dies offensichtlich noch mehr Leute, die das selbe Ziel hatten wie ich. Zwei davon trafen plötzlich alte Bekannte und tauschten sich lautstark mit ihnen aus:

A: „Na, und, wohin geht ihr heut?“
B: „In die Semperoper.“
A: „Oho! Dafür habt ihr doch aber gar nicht die richtig schicken Sachen an? Was spielen sie denn? Zauberflöte?“B: „Nee, Jazz. So ne Gruppe aus Frankreich irgendwie.“
A: „Ach, spielen die jetzt auch schon niedere Musik in der Oper? Die müssen’s ja nötig haben…“

Wenn ein Abend so heiter beginnt kann er ja nur noch ebenso weitergehen. Mit einem ordentlichen Grinsen kam ich also bereits in der Oper an und meine Gute Stimmung wurde auch im weiteren Verlauf des Abends nicht getrübt. Was man am Mittwoch Abend in der Semperoper erleben konnte war nämlich von „niederer Musik“ (Adorno lässt grüßen!) so weit entfernt wie das Schubladendenken einiger vieler von dem, was das Henrie Texier Strada Sextett bot: Ein knallig buntes, energiegeladenes Feuerwerk einer Gruppe, die vor Spielfreude nur so zu explodieren schien. Allen voran der Kopf der Truppe, Henri Texier, am Kontrabass, der mit scheinbarer Ruhe und Ausgeglichenheit immer der starke Mann im Hintergrund, das Fundament blieb. Ganz im Gegenteil zu ihm stand da Gueorgui Kornazov an der Posaune, der aufgezogen wie eine Spieluhr durch die Gegend hüpfte und derartig elektrisiert wirkte, dass man schon das eine oder andere mal dachte, er würde im nächsten Augenblick das Instrument weglegen und einfach so lostanzen. Zugetraut hätte man es ihm zumindest. Kornazov bildete zusammen mit Sébastien Texier (Altsaxophon, Bb-Klarinette, Altklarinette), dem Sohn Henri Texiers, und François Corneloup am Baritonsaxophon einen ausgezeichneten Bläsersatz, der von ruhig und besinnlich bis funkig-ausgeflippt alles draufhatte und mit technischer Brillanz glänzte. Komplettiert wurde das Sextett noch durch Manu Codjia an der E-Gitarre, dessen Spiel sich durch frische, Anpassungsfährigkeit und spielerische Leichtigkeit nahtlos in das des Bläserensembles einfügte, sowie durch Christophe Marguet an den Drums. Er vermischte und verband gekonnt die verschiedensten Ansätze, die die Bläser und Saiteninstrumentalisten ihm zuspielten.
Bedauerlich war, dass für dieses Ensemble der Spitzenklasse doch nur so vergleichsweise wenig Karten verkauft waren. Leider war es nämlich nicht ausverkauft, obwohl die Musiker das gut und gern verdient hätten! Alle, die nicht da waren, haben einen Abend voller Unterschiede und Gemeinsamkeiten verpasst: Das Sextett hat in einleuchtender Art und Weise die unterschiedlichen Stilrichtungen, aber auch ihre vielen Gemeinsamkeiten präsentiert – von einer Homage an die afrikanischen Wurzeln des Jazz (als letztes offizielles Stück des Konzerts, einfach wunderschön!) über Funk bis hin zu Elementen des Rock war alles vorhanden, von 6 Ausnahmemusikern zu einer homogenen Mischung konzeptioniert und zusammengefügt. Da spreche nochmal jemand von „niederer Musik“…
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3 Gedanken zu “Jazz Special – Henri Texier Strada Sextet

  1. Immer diese Kunstbanausen.Es gibt keine Niedere Musik.hmpf.Aber ich sehe Hiphop und deren gleichen auch nicht als Musik an.

    Aber so wie du darin schwelgst muss es wirklich toll gewesen sein 🙂

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