Tiefenrausch

(Bevor es gemecker gibt: Unten sind Bilder. 😛 )

Was für ein Tag, dieser 3.4.! Wie bereits berichtet ging es um fünf uhr früh hier los gen Frankfurt. Schön, wenn man die ganze Autobahn noch für sich hat – weniger schön, wenn man dabei auf der Gegenspur wahnsinnig viele Blaulicht-Autos sieht und später auch den Grund dafür: Ein irrer Unfall mit einem brennenden Auto. Sah aus wie Alarm für Cobra 11, war aber wesentlich ernsthafter und schockierender. Ich hoffe, dass niemand dabei körperlichen Schaden genommen hat!
Nach diesen Schrecksekunden hatten wir dann aber eine zum Glück ruhige Fahrt, bei der ich mein unzweifelhaft sehr gut verborgenes Talent zum Kartenlesen glücklicher Weise kaum einsetzen musste („Wo müssen wir denn jetzt hin?“ – „Gerade aus!“ – „Ich meine welche Abfahrt…“ – „Äh… Moment!“ – „Warum drehst du denn jetzt die Karte um?!“ – „Ich kann das dann irgendwie besser veranschaulichen… perspektivisch, quasi!“ – Oo usw. usw… 😀 ). Nach ca. 5 Stunden war dann alles erledigt – das Parkhaus gefunden, das Auto geparkt, die Halle per Shuttle erreicht und sämtliche Formalitäten abgewickelt, sodass wir uns durch den Wust an Menschen, Ausstellern, Instrumenten und Ständen unseren Weg Richtung Bläser- und Streicherhalle bahnen konnten. Leider hatte ich irgendwie verpasst, mir am Messeeingang eine Zeitung, in der ein Plan der Messe drin ist, mitzunehmen – somit wussten wir nicht recht, welches denn nun die Halle ist, die wir suchen. Aber nach einigen Touren durch Halle 3 und kurzen Abstechern zu den Hallen 4 und 5 haben wir dann endlich gerafft, dass wir Halle 1 suchen müssen – und wie wir dort hin kommen. Also einmal quer durch die Noten (Hach… da gabs aber auch wieder schöööne Sachen!) und dann immer munter rein ins Getümmel!

Was für ein Traum. Überall Instrumente, die man mit dem eigenen, mitgebrachten Mundstück ausprobieren kann. Einfach so – hingehen, nehmen, Mundstück drauf, losspielen. Die Sache hat nur einen Nachteil: Alle dürfen das. Dementsprechend laut ist es in dieser Halle. Sind nunmal nicht alles rücksichtsvolle klassische Saxophonisten (hüstel…).

Ich will’s kurz machen: Ich habe viel angespielt und einigen Schrott gesehen (Billigfirmen…), aber auch richtig, richtig tolle Instrumente in der Hand gehabt. Ich habe verglichen und komme, wie vor 2 Jahren schon, zu dem Schluss, dass mein momentanes Altsax einfach in der gleichen Preisklasse nicht durch ein anderes zu ersetzen wäre, zumindest nicht für mich. Natürlich ist die Skala immer nach oben offen und natürlich hatte ich Instrumente in der Hand, die besser waren als meins, aber die kosten dann ganz locker eben das Doppelte, mindestens. Es gibt schon ein paar kleine Träumchen unter den Altsaxophonen, wie zum Beispiel das Serie III massiv Silber von Selmer oder auch das bereits erwähnte Inderbinen Altsaxophon, und auch bei den Sopransaxophonen gab es das ein, zwei, die ich richtig gut fand, wie z.b. die gebogenen Sopransaxophone von Rampone & Cazzani (sie sehen traumhaft aus, aber ich würde ein Yanagisawa-Instrument des Spielens und des Komforts halber vorziehen) oder die 991- oder 992-Serie von Yanagisawa.
Darüber hinaus gab es noch eine Menge Zubehör, dass zu betrachten es sich lohnte – oder eben auch nicht. Zum wirklich Bemerkenswerten gehörten die Hölzernen S-Bögen (das ist das, was beim Saxophon quasi „oben abgeknickt“ ist) der griechischen Firma Paraschos, die meines Wissens nach einzigartig sind. Mir fiele keine weitere Firma ein, die so etwas baut. Beim Ausprobieren bewahrheitete sich dann, was man in Testberichten liest: Ein Traum an Klang: rund, voll, weniger Obertöne, weich und dunkel. Dazu kommt noch eine deutlich verbesserte Ansprache der Töne, gerade im tiefen Bereich. Kombiniert man diesen S-Bogen noch mit der hölzernen Blattschraube der gleichen Firma ergibt es ein optimales Ergebnis! Natürlich muss man den Klang mögen, aber das ist bei allem so – ist eben alles Geschmackssache. Wer jetzt denkt, dass ich nur was für Hardcore-Klassiker: weit gefehlt! Auch Michael Brecker hat einen solchen Paraschos-Bogen gespielt. So ein Ding zu besitzen wär schön toll – aber in Anbetracht der Tatsache, dass ein Bogen allein knapp über 500 Euro kostet (dazu nochmal die Blattschraube für 110 Euro) rücken dann doch andere Käufe in den Vodergrund. So etwas zu besitzen ist halt Luxus. (Wobei ich zugeben muss etwas schwächlich geworden zu sein, als er mir den Messepreis nannte… Aber ich bin standhaft geblieben!)

Auch lustig, aber irgendwie unbequem war ein Übedämpfer für Saxophone: Eine Art Koffer, in dem das Instrument befestigt wird und den man, wie sonst das Instrument, sich per Gurt um den Hals hängt. Natürlich schauen S-Bogen und Mundstück oben aus dem koffer raus, wo sollte man sonst hineinspielen? Zudem gibt es noch zwei Löcher für die Hände. Am Koffer befindet sich außerdem ein Kopfhöreranschluss, so dass man das, was „drin gespielt wird“ direkt auf die Ohren bekommt. Ein gewöhnungsbedürftiger Sound und eine gewöhnungsbedürftige Handhabung, aber warum nicht – wenns jemand kauft, bitte, gern.

Natürlich gab es nicht nur positive Punkte zu berichten. Extrem auf den Nerv fallen mir zum Beispiel Jazzsaxophonisten: Die gehen zu einem Stand, nehmen sich ein Instrument und spielen sofort in einer ohrenbetäubenden Lautstärke alles Mögliche, was ihnen grad einfällt bzw. sie improvisieren munter drauf los. Gut und schön – aber muss man das unbedingt in einer Hörsturzprovozierenden Lautstärke machen? Man hat das Gefühl, sie versuchen sich z.T. gegenseitig zu übertrumpfen. Wenn man da als Klassischer ankommt wird man nicht nur schief angeschaut sondern auch noch belächelt – niedlich, die Kleine: Spielt so leise, und dann auch noch klassisch…
Außerdem gab es Eltern, die ihre Kinder regelrecht zur Schau stellten. Die Kinder wurden von ihren Eltern von Stand zu Stand geführt (natürlich nur zu namhaften, teuren Instrumenten), nahmen sich da ein Instrument und dudelten munter drauf los. Das eine Stück, was sie eben konnten (irgendwelches Geholze meist… nicht sooo schön. Aber schnelle Finger beeindrucken halt erstmal.). Dann kamen die Väter mit den Händlern ins Gespräch, der Händler gratuliert dem Papa zum tollen Kind und dem Kind zum tollen Papa (ob das nun so toll ist…) und es werden noch ein paar Fotos gemacht und wichtige Kontakte geknüpft, bis es zum nächsten Stand geht. Schon verrückt. Zumal die da echt ca. 10jährigen Kindern z.T. ziemlich schwere Instrumente umhängen. Nun ja.

Aber zum Abschluss noch etwas sehr positives: Am Stand von Eppelsheim standen je ein Bass- und ein Kontrabasssaxophon sowie ein Tubax in Bb und ein Tubax in Eb rum… und man durfte drauf spielen! Also auf dem Bb-Tubax und dem Kontrabasssaxophon. Ich habs getan. Ein Traum! Das knackt richtig… und es ist echt so unglaublich tief! Das macht wirklich einen Heiden Spaß, man möchte gar nicht mehr damit aufhören! Und sofort schart sich ein Grüppchen Menschen um einen, einige zücken auf die Handys und filmen, wobei ich stark bezweifle, dass in der Tiefe noch was anständiges an Ton auf ihren Handys drauf ist. Naja. Deren Problem. Auf alle Fälle macht das absolut süchtig, dass kann ich sagen!

So. Und alle, die jetzt brav durchgehalten haben, können sich jetzt noch gern ein paar Fotos anschauen… Viel Spaß!

Musikmesse Frankfurt
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4 Gedanken zu “Tiefenrausch

  1. Wow! Berauschender Bericht!! Nächstes Jahr werde ich das gleiche Spielchen mit den Gitarren machen, ich schwöre! Und wenn ich jetzt noch mit Saxophon anfange, dann ist das allein Deine Schuld. Jawohl, so ist das! :)))

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  2. Oha … und ich habe die Messe verpasst 😦 Wie blöde von mir.
    Aber nächstes Jahr bin ich bestimmt dabei.
    Mein Dank übrigens an Mary … die mir Deinen Link gegeben hat 🙂
    Und das an einen Tag … woh ich mein Tenorsaxophon fallen gelasen habe 😦
    Nun ja, es wird wieder heile, und ich werde hier bestimmt nun öfters vorbei scauen … wenn mein Zeitproblem mich nicht gerade so arg beuteln würde.
    Aber ich komme wieder … und dann shaue ich mal durch, was ich bei Dir zum Thema Saxophon alles finden kann. *neugierigbin*

    Schöne Töne noch :-))))

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  3. oooh… schön! 🙂 endlich mal noch ein saxophonist hier! 🙂 freut mich! und auch von mir einen dank an mary für’s weiterreichen. kannst dich ja mal durchgraben – ich hab noch ein paar saxophonsachen hier auf dem blog und es werden auch sicherlich noch welche folgen.
    die musikmesse kann ich dir absolut empfehlen, gerade wenn man noch nicht ganz so lang spielt ist es so ein bisschen wie das paradies! 😉

    ebenfalls schöne töne! 🙂

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