Was war denn da los?

Man muss auch mal Glück haben im Leben. Meines traf Montag Mittag per Telefonanruf ein – ich wurde gefragt, ob ich nicht Aushilfe im Landespolizeiorchester spielen könnte. Der Haken daran: Mitten in der Woche, Dienstag und Mittwoch – also bereits am nächsten Tag.
Wie sagt Herr V. es so treffend? Entweder, man nimmt an und ärgert sich beim Auflegen und Nachdenken drüber – oder man lehnt ab und ärgert sich beim Auflegen und Nachdenken drüber.“ Ich entschied mich, wie man sehen kann, für die erste Version, schon weil diese die Möglichkeit birgt, dass ich mich später dennoch drüber freue.

Was dann kam, glich einer kleinen Telefon-Odyssee. Da war der Dienst abzusagen, den ich eigentlich Mittwochabend gehabt hätte, da war dafür ein Ersatz zu finden, da galt es ein Faxgerät zu finden, auf das einem die Noten gefaxt werden können, da galt es, alles klarzumachen, um gleich heimfahren zu können und zu üben. Und vor allem galt es, die Nachricht zu verdauen, denn mir haben ehrlich gesagt schon ein bisschen die Knie gezittert 🙂 Das erste mal mit einem Berufsorchester spielen… für ein kleines Lichtlein wie mich ist das schon nicht ohne 😉

Aber letztendlich war doch alles geklärt, und so konnte ich höchst nervös, aber irgendwie dennoch glücklich am Dienstagmorgen in den Zug Richtung Potsdam steigen. Nach einer kurzen Führung durch diese wirklich hübsche Stadt wurde es allerdings ernst, als ich in Petzow, dem Probenort des Landespolizeiorchesters ankam. Eine wichtige Frage galt es zu klären: Passt die Uniform? (Übrigens ist diese Uniform-Debatte durchaus wichtig dort, habe ich festgestellt…) Sie passte größtenteils, die zu kurze Hose wurde später gegen eine längere getauscht. Allerdings hatte ich wohl weiße Blusen, aber keine mit Kragen eingepackt – die liegen auf Arbeit. Woran aber die Krawatte befestigen, wenn kein Kragen sie hält? Auch für diese überaus wichtige Frage wurde mit Hilfe einer Kollegin eine Antwort gefunden – ich bekam eine Bluse (Blickdicht, gesteift, an den Schultern ausgestellt und mit Logo auf dem Ärmel!) von ihr geliehen. Dem modischen Siegeszug der Blauen Mehrteiler-Kombi stand somit nichts mehr im Wege und ich konnte mich samt Instrumenten und Noten in den großen Bus verkrümeln, in dem mich dann diverse (ältere) Augenpaare interessiert und freundlich begutachteten.
Besagter Bus fuhr uns zum Auftrittsort, dem Dom in Fürstenwalde. Dort wurde erst nochmal ausgiebig geprobt, auch für uns zwei Aushilfen: Neben mir war noch eine Tubistin erst an diesem Tag dazugekommen. Mittlerweile hatte ich auch die Kollegen zur linken an den Saxophonen kennengelernt, welche sich auch ganz reizend um mich gekümmert haben, vor allem der Herr am zweiten Altsax („Können wir dich nicht behalten?“). In der Pause wurde ich treu mit Kaffee und Keksen versorgt – hätte ich zwar beides auf Grund von Nervosität nicht dringend benötigt, habe ich aber angenommen, weil ich so gerührt war. 😀

Was soll ich sagen… das Konzert lief! Mein persönlicher Aufregungsfaktor Nummer eins stellte ja das Stück für Solo-Sopransaxophon dar, dessen Solopart in vor dem gesamten Orchester übernehmen durfte… Wer mich kennt, weiß, wie unglaublich gern ich in einem solchen Rampenlicht stehe. Zumal auch noch verstärkt, weil mit dem Mikro abgenommen! Was solls, ich hatte zugesagt, da musst eich jetzt durch. Also habe ich bis zu diesem vorletzten Stück des Konzertes Altsaxophon gespielt und gebangt, dass mein Sopran, rellativ uneingespielt, mit trockenem Blatt und kaltem Korpus (die Kirche hatte runde 17°C… Brrr…!), mich dann nicht im Stich lässt, wenn ich es am Meisten brauche.
Nur gut, dass ich direkt vorher nicht noch einmal auf’s Blatt geschaut habe. Denn wie sich hinterher herausstellte, war das gerissen. Ein ca. 3mm langer Riss zog sich direkt von der Spitze in Richtung Herz… Hätte ich das gewusst, hätte ich mir zwar die anfänglich schlechte Ansprache und das seichte Rauschen erklären können, wäre aber sicher auch vor Aufregung gestorben.
Zum Glück ging es auch mit Riss gut. Ich bin mir sicher, dass alle Zuschauer, hätten sie nicht so laut geklatscht, die diversen Steine von meinem Herzen hätten fallen hören können… 😉

Nach einer irgendwie kurzen Nacht im Appartementhaus der Polizei (das klingt eindeutig vornehmer, als das, was es tatsächlich ist – eine Art Jugendherberge für Polizisten nämlich.) und einem nervösen Frühstück ging es erst wieder nach Petzow (ein weiteres Mal in die Uniform schlüpfen!) und dann per Bus nach Cottbus. Im dortigen Saal des Konservatoriums fand das zweite Konzert statt. Mit dem Wissen um das gerissene und nun ausgetauschte Blatt hätte ich sicherlich theoretisch beruhigter an das Konzert rangehen können… konnte ich trotzdem nicht so richtig. Sämtliche Sorge stellte sich allerdings als unbegründet heraus, denn es klappte wie am Schnürchen, besser noch als in Fürstenwalde. Technisch unverstärkt laut genug, direkt zum Publikum gewandt und mit viel Spaß am Spielen klappte auch das Sopran-Stück einwandfrei. Ja, ich möchte wirklich sagen, dass ich noch nie an einem solo so viel Spaß hatte wie gestern in Cottbus. Ich musste sogar aufpassen, dass ich nicht zwischenrein beim spielen schmunzle und mir damit den Ansatz versaue, als ich bemerkte, dass ich zwischenrein sogar mal die Augen zugemacht habe… Natürlich nur bei den letzten, langen Tönen einer Phrase, man will ja noch was vom Dirigenten mitbekommen 😉 Das erinnerte mich schon sehr an Will und Marcus aus „About a Boy“ – Marcus und seine Mutter, die beim singen die Augen schließen und Will, der konsterniert feststellt, dass es wohl nichts schlimmeres gibt, als beim inbrünstigen Singen die Augen zu schließen… und zum Schluss selber mit geschlossenen Augen, inbrünstig singend und Gitarre spielend, auf der Bühne steht… Aber das nur am Rande. 😉

Dann ging alles ganz schnell: Ich wurde freundlicher Weise zum Bahnhof gebracht, wo mir auffiel, dass ich seit dem Morgen nichts mehr gegessen hatte und dringend mal dem Umkippen per Nahrungszuführung entgegenwirken sollte; ab in den Zug – und zwei Stunden später war ich schon wieder in Dresden.

Fazit: Ein irgendwie sehr beeindruckendes Erlebnis. 🙂

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2 Gedanken zu “Was war denn da los?

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