Erkenntnis Nr. 6: Nehmt mir mein Handy weg, wenn ich getrunken habe.

Ich vermute, es ist Teil der menschlichen Persönlichkeit, sich ab und an mal schwungvoll in den einen oder anderen Fettnapf zu setzen. Am allerbesten geht das, wenn man getrunken hat, denn in dem Augenblick erscheint irgendwie alles so logisch – natürlich muss man nachts um vier eine SMS schreiben, egal welchen Inhalt sie hat. Schade, wenn man am nächsten Tag mitbekommt, dass eben jener Inhalt ziemlich peinlich war.

Ich bin Meister dieses Phänomens. Mein Handy und ich, ein unschlagbares Team – erst recht, wenn einer von uns beiden getrunken hat. Leider trinkt mein Handy ziemlich wenig, daher bin ich meist die, die für zwei trinken muss – anders kann ich mir nicht erklären, warum ich, trotz des Wissens um meine nächtliche, Trunkenheit-begründete Schwäche trotzdem Kurznachrichten versende. Optional dazu kann man natürlich auch anrufen. Am Besten beides: Hey, der Idiot antwortet nicht auf meine so liebevolle SMS, dabei ist es erst kurz nach vier! Ich sollte ihn mal anrufen. Oder zwei mal. Oder… spätestens wenn man am nächsten Morgen dank Anrufliste mitbekommt, dass man zwischen dreiviertel vier und halb fünf insgesamt neun mal versucht hat, den vermutlich sich bereits seelig im Traumland Befindenden zu erreichen weiß man, dass die nächste Begegnung sehr peinlich sein wird. Wie kommt man nur aus der Nummer wieder raus? Vorerst hilft ganz schnell Anrufliste und Postausgang (bloß nicht in die letzten SMS reinlesen!) zu löschen, die Decke über den Kopf zu ziehen und sich einzureden, dass da gestern nichts war, neinneinneinnein. Leider hält die Wirkung nie allzu lange an.

Bevorzugte Ziele des nächtlichen Textbombardements sind dabei der Exfreund, der absolute Schwarm, der Typ von letztens aus dem Club und, besonders fies, der Typ, der einen seit einiger Zeit anhimmelt, aber keine Chance hat. Oh, nicht zu vergessenn und besonders gefährlich ist dabei die Kategorie „Psycho“. Erstaunlicher Weise ist es nie die große Schwester, der große Bruder oder die beste Freundin, der man ein „Bring mich betrunken, ich bin nach Hause!“ schickt. Im Gegenteil – je verworrener die Beziehung zum Endgerätebesitzer, desto peinlicher die SMS.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was kann man dagegen tun? Nein, ich werde in Zukunft nicht ohne mein Handy feiern gehen. Das hätte auch gar keinen Zweck, schließlich käme ich dann vermutlich zu Hause auf den Gedanken, noch schnell vor dem Schlafen, ach, ist grad so ne sentimentale Stimmung, vielleicht, oder, naja, aber, eventuell denkt er ja grad, ach…
Am galantesten ist natürlich die Lösung „verantwortungsvolle Freundin“ – eine Person, die einem im Ernstfall mit einem Hechtsprung zwischen Handy und Benutzer springt um allein durch räumliche Trennung beider einen peinlichen Zwischenfall zu verhindern – und die das Gerät dann gleich ganz einzieht. Blöd wirds nur dann, wenn die verantwortungsvolle Freundin a) das gleiche Problem und b) einen ähnlichen Alkoholpegel hat. Tja.

Ich habe für mich leider noch keine endgültige Lösung gefunden. Wer mir dabei helfen kann – gern. Bis dahin denk‘ ich mir weiter Ausreden aus…

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5 Gedanken zu “Erkenntnis Nr. 6: Nehmt mir mein Handy weg, wenn ich getrunken habe.

  1. Ich glaube, man kann Telefonnummern sperren lassen. Wie wäre das?Oder besorg dir eine 2. Handykarte…kann ja eine Prepaid sein. Auf der speicherst du keine solche Nummern ein. Und wenn du – betrunken – auf die Idee kommst, deine Nummer jemandem zu geben, ist es „nur“ die Zweitkarte für Idioten.Auf jeden Fall überlege ich mir gut, ob du irgendwann mal meine Nummer bekommst. 😀

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  2. pft… 😛 das mit der zweitkarte ist keine schlechte idee, nur irgendwie etwas umständlich. nee, ich erinnere mich das nächste mal einfach daran, dass ich meine nummer ja nicht weitergebe. zumindest nicht die richtige. 😀 das klärt das eine problem – das mit dem schreiben bleibt allerdings.

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  3. Du solltest Nummern eingespeichert nur haben* von Leuten, die dich verstehen* von Leuten, auf die es nicht so ankommt* von Leuten, die erst nochmal nachhaken, bevor sie dir böse sind* von mir

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