Eine Neuauflage der Gauthier-Show

Wie man unschwer erkennen kann, bin ich wieder da. War ein wirklich schönes Wochenende in Leipzig, viele nette Leute wiedergesehen und zwei tolle Konzerte erlebt. Wobei… also… wie sag ich’s dem Kinde… Das erste war besser. Deutlich. Das liegt nicht an der Qualität des zweiten, sondern eher an der des ersten Ensebles… aber der Reihe nach:

Am Freitag ging’s zum hier bereits ausführlichst beworbenen Konzert des Alliage Quintetts im Mendelssohnsaal des Gewandhauses, der leider nicht mal annähernd voll, sondern mit gut 100 Leuten ca. zur Hälfte gefüllt war. Das sicherte uns allerdings Plätze in der vierten Reihe – mit bester Sicht auf wackelnde Köpfe und Hilfsgriffe. 😉 Leider allerdings auch mit einem Rudel älterer Menschen vor uns, die offensichtlich nicht ganz so den Durchblick von Saxophonen hatten und sich gern mal darüber austauschten – in einer für meinen Geschmack deutlich zu lauten Konversationslautstärke. Los ging es mit Mendelssohns Musik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ – passend zu den momentan in Leipzig stattfindenden Mendelssohn-Tagen. Ein wunderbares Stück, bei dem ich mich irre gefreut hab, es mal live hören zu können – die Bearbeitung für Saxophponquartett finde ich einfach sehr authentisch und interessant. Leider, leider wurde nach dem Hochzeitsmarsch (ja, genau der, der immer zu den Trauungen kommt – nein, nicht der von Wagner!) Schluss gemacht, was dieses Stück angeht – die letzten Stücke aus dem Zyklus hätte ich doch schon ganz gern noch gehört… Danach gab’s allerdings etwas, das quasi zum „Blutlecken“ für die neue CD „Masquerade“, erschienen auf Sony Classical, gedacht war: Den „Sommer“ aus der Bearbeitung Jun Nagaos von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Nun muss man alleridngs dazu sagen, dass es eher Nagaos „Vier Jahreszeiten“ sind als die von Vivaldi – der japanische Komponist Nagao hat gewisser Maßen 4 „eigene Jahreszeiten“ komponiert, in denen er die THemen Vivaldis frei verwendet und damit ein sehr intensives und mitreißendes Klangerlebnis schafft. Nach der Pause gab es u.a. auch noch den „Herbst“ – die zwei übrigbleibenden Jahreszeiten kann man sich vorerst nur aus der Konserve anhören. Wobei cih von Glück sprechen kann: Bereits im letzten Jahr hat das Alliage -damals noch Quartett- in Coswig gastiert und bei dieser Gelegenheit alle vier Jahreszeiten zur Aufführung gebracht. Ich hoffe stark, dass sie das bei ihrem erneuten Gastspiel am 13. Dezember, wieder in der Villa Teresa in Coswig, auch wieder tun werden!
Als krönenden Abschluss gab es vor den von Publikum mit Nachdruck eingeforderten Zugaben noch die für Saxophonquartett und Klavier bearbeitete Fasung der „Carmen Suite“ mit den bekannten Themen aus Bizets Oper.

Und jetzt kommt das, wofür ich bekannt bin: Jammern auf höchstem Niveau. 😀 Nein, im Ernst: Was die vier Herren an den Saxophonen und die Dame am Flügel da leisten ist wirklich phänomenal. Ich bin irre beeindruckt davon, was sie darbieten – und vor allem wie. Allerdings hat sich mir mit der Zeit eine Frage aufgedrängt: Warum sind Konzerte dieses Ensembles vor allem immer eine Daniel Gauthier-Show? Ein bisschen nervt mich das schon. Ich mein, der spielt ja auch rasend gut Sopransaxophon, aber müssen die anderen deswegen im Hintergrund stehen? Ein bisschen schade ist das schon. Zumal ich liebend gern mehr von Lutz Koppetsch am Altsaxophon gehört hätte – mehr, als da kam. Denn ich glaub der hat sich die Seele aus dem Leib spielen können, allzu viel kam davon nicht vorn an, und das reißt leider ein Loch zwischen Tenor- und Sopranstimme. Ich würde ja sagen, dass das vor allem daran liegt, dass Herr Koppetsch ein Saxophon mit einer komplett anderen, viel upferlastigeren Legierung spielt (daher sieht’s auch so rötlich aus), was nicht so brilliant, obertonreich und strahlend wie das Sopransaxophon von Daniel Gauthier, sondern viel dunkler und satter klingt. Ein tolles Instrument, ohne Frage, aber irgendwie passt’s nicht in das Quartett rein. Schade. Ist mir dieses Mal noch mehr aufgefallen als letztes Mal.

Naja. Ich freu mich trotzdem auf den 13.12. und eine wohl erneute Gauthier-Show („Er suche die Champignon in die Wald“) in der Villa Teresa in Coswig. Ich kann allen nur empfehlen, mal mitzukommen und in den Genuss derartig hochkarätiger Musik zu kommen!

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