HAB_Acht! – Nachberichterstattung

Jaaaa, ich weiß, er ist ziemlich nüchtern geworden diesmal. Aber nach dem Feuerwerk an Albernheiten im letzten Jahr wollte ich ihn mal ganz anders machen, ein bisschen so wie den für’s LJBO. Also bitte sehr, da ist der Artikel über Hab_acht

High Noon. 12 Uhr. Hoch steht die Sonne am wolkenlosen Firmament. Kein Lüftchen regt sich, die Hitze drückt. Die Luft scheint schier zu flirren. Reglose Körper liegen auf den steinernen Stufen des Rondells im Innenhof der Bayerischen Musikakademie in Hammelburg.
Doch plötzlich: In die Stille hinein erklingt eine Melodie. Eine einsame Trompete spielt das „Lied vom Tod“…

So ist es tatsächlich geschehen! Naja… fast. Die leblos scheinenden Körper sind natürlich nur Musiker, die in ihrer wohlverdienten Mittagspause eine kleine Siesta halten. Sie gehören zu einem ganz besonderen Klangkörper: Das sinfonische Blasorchester, in welchem sie spielen, besteht komplett aus Mitgliedern eines Internetforums.
Musiktreff.info, so der Name des Forums, ist die größte Internetplattform für Blas- und Militärmusik im deutschsprachigen Raum. Von den über 7700 Mitgliedern des Forums trafen sich vom 1.-3. August zum nunmehr vierten Male 105 Musiker aus den unterschiedlichsten Bläsermusikbereichen, um unter der Anleitung eines renommierten Dirigenten drei charakterlich unterschiedliche Werke der sinfonischen Blasmusik einzustudieren.
Musikalischer Leiter war zum bereits dritten, aber leider auch letzten Mal Peter Vierneisel, welcher neben dem Polizeiorchester Brandenburg auch das Landesjugendblasorchester Sachsen leitet.

Wie auch in den vergangenen beiden Jahren prägte ein Komponist dieses Wochenende: Pavel Stanek. Der Musikverlag Rundel ermöglichte den Musikern ein einmaliges Erlebnis: Die Erstaufführungen gleich zweier Werke des tschechischen Komponisten. Neben „Adagio Espressivo“, einem Stück, welches eindrucksvoll die klangliche Vielfalt eines Blasorchesters demonstriert, lag der Schwerpunkt vor allem auf dem zweiten Satz des neuen Tubakonzertes aus Staneks Feder. Die Rolle des Solisten übernahm der Solotubist der Dresdner Philharmonie, Jörg Wachsmuth. Mit seinem Können, seiner Hingabe und seiner offenen Art spielte er sich auf Anhieb in die Herzen aller Anwesenden. Aber nicht nur er bereicherte das Orchester am Samstag, auch Thomas Rundel persönlich kam in Hammelburg vorbei, um sich ein genaues Bild dieses von ihm geförderten Projektes zu schaffen.
Das dritte eingeübte Stück stammte nicht von Pavel Stanek und war vielen Teilnehmern aus ihren Musikvereinsprogrammen bereits bekannt: „Moment for Morricone“, eine von Johan de Meij komponierte Zusammenstellung bekannter Melodien aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“. Trotz des Bekanntheitsgrades des Werkes gelang es Peter Vierneisel, den Musikern immer neue Aspekte des Stückes aufzuzeigen. Mit gekonnten Vergleichen und präzisen Hinweisen schaffte er es, wie auch in den vergangenen beiden Jahren, dem ganzen Orchester zu immer wieder neuen Erkenntnissen und Höchstleistungen zu verhelfen. So ist die Trauer über seinen Weggang zu verstehen, auch wenn er damit dem Projektorchester die Chance geben möchte, von anderen Dirigenten etwas zu lernen. Aber jeder Abschied ist ja auch ein Anfang, und so beginnt nun vorerst die Suche nach seinem Nachfolger (oder einer Nachfolgerin…?) und im nächsten Jahr eine neue Zeit des Lernens, Erfahrens und Erlebens.

Besonders kreativ war man in diesem Jahr bei der Zusammenstellung der (freiwilligen) Kleingruppen. Am Samstagabend erfreuten nicht nur die obligatorische böhmisch-mährisch-Gruppe, Blechbläser- und diverse Holzbläser-Ensemble die Zuhörer, es wurde auch etwas ganz besonderes, gewisser Maßen eine weitere Uraufführung, geboten. Hierbei handelte es sich um ganz besondere Arrangements von „Alte Kameraden“ und dem „böhmischen Traum“ – beide Stücke wurden unter tosendem Beifall von einem viele Mitglieder zählenden Blockflötenensemble präsentiert.

Natürlich kam auch das gemütliche Beisammensein nicht zu kurz, und so wurden die Abende nicht nur zum Kleingruppenspiel, sondern auch zu intensivem Austausch und dem Knüpfen neuer Freundschaften genutzt. Überhaupt zeichnete sich dieses Wochenende erneut durch die beeindruckend kameradschaftliche Atmosphäre aus, auch neue Teilnehmer wurden schnell in den Kreis der „Hammelburg-Erfahrenen“ aufgenommen.

Ein Punkt wurde bei der Verabschiedung am Sonntagnachmittag besonders in den Mittelpunkt gerückt: Sowohl die komplette Organisationsarbeit als auch die Einübung der Stücke mit Hilfe der Registerführer fand völlig ehrenamtlich statt. Dieses Konzept bewies sich bereits in den letzten Jahren und wird auch vom 7. – 9. August 2009, wenn dieses Treffen an bewährtem Ort seinen fünften Geburtstag feiern wird, fortgesetzt werden. Bis dahin gibt es zwar noch viel zu tun, aber bei allen überwiegt die Vorfreude: Auf das Wiedersehen vieler bekannter, aber auch neuer Gesichter, auf die reizvolle Umgebung, auf konzentriertes Arbeiten auf hohem Niveau und nicht zuletzt auf die Freude an der Musik und am Musizieren. Aktiv ausgelebt wird diese Vorfreude natürlich da, wo sich die Musiker in der Zwischenzeit treffen: Auf http://www.musiktreff.info/, dem Forum, welches sie zusammengeführt hat. Und die ersten Pläne für die neuen Kleingruppenbesetzungen sind auch schon wieder entstanden…

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