das Pärchen-Phänomen

samstag abend, lang geplant: tanzen gehen! schwester kommt, kollektives schick-machen ist angesagt, bevor es dann endlich gen tanzlokal geht.
der plan war gar nicht so schlecht ausgedacht: die vor“band“, bestehend aus einem einzelnen menschen (oh, falsch – er bekam zwischenzeitlich verstärkung an der gitarre), sollte von uns übersprungen werden, da wir bereits einmal in das zweifelhafte vergnügen kamen, uns die produkte dieses künstlers live zu gemüte zu führen. die darauffolgende band war der eigentliche zielpunkt unserer interessen (musikalischer seits).

gesagt, getan. leider macht einem das leben manchmal einen strich durch die rechnung. in besagtem tanzlokal angekommen mussten wir nämlich feststellen, das unser plan leider nicht aufgehen würde, da der herr vor“band“ sich, asche auf sein haupt, leider nicht an unser so filigran ausgearbeitetes konstrukt halten wollte. hach, ich möchte einmal mit profis arbeiten…
eine gewisse, gelangweilte grundstimmung breitete sich aus, der man mit afri-cola zwischenzeitlich sogar gut entgegenwirken konnte! ein anderes merkmal rückte in unser blickfeld:

das pärchen.

ich weiß, ich bin solo, und nein, das ist kein neid. das ist einfach nur etwas, was ich verstehen möchte.
wir suchten uns einen gemütlichen platz in einer sitzecke, als das pärchen vor uns aufstellung bezog. eigentlich waren sie gar nicht nur zu zweit da, mindestens sie hatte noch freunde dabei, die sich dann aber – wie eigenartig… – in eine andere ecke des tanzlokales, vielleicht ja sogar zum tanzen?, aufmachten. übrig blieben die beiden, die nun anscheinend furchtbare angst hatten, so allein zwischen den ganzen fremden leuten. in ermangelung eines getränkes, an dem sie sich festhalten konnten, klammerten sie sich also an einander, als würde die welt um sie herum untergehen. das ist ja noch harmlos. aber dann folgte das ganze programm. zu erst die augen schließen, dann losknutschen und am besten nie wieder aufhören. ich frage mich immer wieder, ob es menschen gibt, die hautatmung beherrschen.
vielleicht ist es bei pärchen ja wie bei kleinen kindern – wenn sie die augen schließen denken sie, sie werden von ihrer umwelt nicht mehr gesehen, nur weil sie diese auch nicht mehr sehen können. vielleicht ist es ihnen auch schlicht und ergreifend egal. das pärchen jedenfalls stand fest verwurzelt und aneinander geklammert wie ein fels in der brandung mitten zwischen denen, die die musik der sogenannten vor“band“ mit größerem interesse bedachten als wir, ja sogar, man glaubt es kaum, tanzten.
das pärchen – ein phänomen. phänomenal war auch, das die beiden irgendwann, wodurch auch immer ausgelöst, zur besinnung kamen und sich wieder fast wie normale menschen verhielten. okay, sie hielten sich immernoch eigenartig umschlungen, aber immerhin stellten sie kein unmittelbares risiko mehr für die tanzenden dar. zudem gesellten sie sich etwas ins abseits. aber ein phänomen wäre kein phänomen, wenn es nicht wieder auftauchen würde. in fast gleicher gestalt! beeindruckend!
kaum waren die beiden turtelnden ins seitenaus verschwunden, sorgte eine geheime und unsichtbare kraft für nachschub – noch ein pärchen, in ziemlich gleicher konstellation.wieder zwei junge menschen, die eigentlich mit einer kleineren menge fünfter räder am wagen unterwegs waren, wieder entfernten sich die besagten fünften räder rellativ schnell – und wieder lief das gleiche program ab. allerdings muss ich mein kompliment aussprechen – diese beiden haben es wesentlich länger durchgehalten als ihre vorgänger. vielleicht lag es an der musik, die sich mittlerweile etwas geändert hatte, vielleicht aber auch am alter oder nichtmessbaren werten, ich weiß es nicht, zumindest stellten das pärchen als wir gingen noch das selbe verkehrshindernis da wie ca. eine stunde zuvor. zurückhaltender als ihre vorgänger waren sie allerdings in keinem fall, eher im gegenteil.

ich bin auch kein zurückhaltender mensch, weiß gott nicht, und ich wäre die letzte, die an herzdrücken sterben würde – allerdings stelle ich mir zunehmend die fragen: bin ich spießig? was fehlt mir (sieht man mal vom partner ab), das ich derartige tanzflächenbegattungsaktionen nicht mache? werde ich alt, das ich mich an tanzflächenhindernissen wie diesen störe? bin ich es etwa schon? all diese fragen machen mir wirklich sorgen. das einzige, was mich wirklich beruhigt ist, das meine schwester ebenfalls spießig wäre, ihr das gleiche fehlt wie mir und wir zumindest gemeinsam altern. trost!

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Ein Gedanke zu “das Pärchen-Phänomen

  1. die gefahr liegt wahrscheinlich in der pauchalisierung. ich glaub, man kann die sache auch gelassener sehen, ist doch schön, wenns glückliche mitmenschen gibt. daß es natürlich regelrecht penetrant werden kann, nervt echt. zieh dir mal den link rein, du hast also leidensgenossen<><>http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,481512,00.html

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